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JUSTIZ in Deutschland?
Fachkongreß befaßt sich mit "Justiz und Judentum"
| "Justiz und Judentum" ist die 5. Juristenwoche
überschrieben, die in der NRW-Justizakademie begann. Es geht um die
Aufarbeitung eines noch heute belastenden Abschnitts unserer Geschichte.
Es ist Hitlers Blutrichter Roland Freisler, im Krieg Präsident des "Volks- gerichtshofes", an dem sich Erinnerung und Abscheu über Rechtsbeugung und Zynismus von Juristen im NS-System festmachen. Aber diese Sicht verdeckt zu leicht, daß fast ein ganzer Berufsstand pervertierte. "Kaum jemand blieb frei von Verstrickung", urteilte Landesjustizminister Behrens, der zusammen mit dem Vorsitzenden der deutsch-israelischen Juristenvereinigung, Himmelmann, den Kongreß einleitete. Das Bild, das sie skizzierten, |
ist das von Mitläufern und "aktiven
sowie effektiven" Helfern. Obwohl von den Machthabern teils verachtet,
folgten Richter und Staatsanwälte ihnen "bis zum Kadavergehorsam".
Man habe "nicht anders gekonnt", baten Juristen später bei der
Entnazifi- zierung um Milde (die sie bekamen). Auch von ,.schärfstem
Terror" war
Korrespondenten berichten die Rede, mit dem die Nazis sie hätten gefügig gemacht. Doch das troff vor Heuchelei und Lüge. Das weiß Himmelman mit Beispielen von "vorauseilendem Gehorsam" zu belegen. Es ist die Art uneingeforderter Gehorsam, wie es ihn in allen Lebensbereichen gab; was wir spätestens von Goldhagens "Willigen Helfern" her kennen. |
Was vergessen schien, taucht wieder auf.
Auch das: Anfang der 40er Jahre plante der NS-Staat,100 000 Behinderte
und Kranke umbringen zu lassen. Auch die Justiz wurde schließlich
eingeweiht. Und keiner der Oberlandesgerichts- Präsidenten, keiner
der Generalstaatsanwälte widersprach bei der entsprechenden Konferenz.
Nicht einer stellte überhaupt nur eine einzige Frage.
Was hat Juristen zu Werkzeugen gemacht? Wilhelminischer Zeitgeist, der ihre Jugend prägte, der ihnen Untertänigkeit einimpfte und Autoritätsgläubigkeit? Auch wenn die "Autorität" später von Hitler ausging, mörderisch pervertiert? Das wird den Kongreß noch beschäftigen. Auch die Frage, warum NS-Juristen so nahtlos der Übergang in den Rechtsstaat gelang. Rolf Potthoff, Recklinghausen |
WAZ vom 22.Sept. 1998
| Autor: WAZ Datum 22.09.1998 Mail: |
| Verteiler: HAUPT / MÄNNER/ POLITIK / JUSTIZ / WIRTSCHAFT /LITERATUR/ KUNST / TOURISMUS / PSYCHOLOGIE / PHILOSOPHIE / PHYSIK / CHRONOLISTE |
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