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Wien, Samstag, 11. August 2001
DER
STANDARD, Album, Wien, Samstag, 11. August 2001
Ein Zeichen aggressiver Desinteressiertheit
Kindswohl und Homoehe
Gerhard Amendt
In den 70er und 80er Jahren hat man sich gefragt, wie Homosexualität
eigentlich zustande komme. Eine begreifliche Frage, die auf Selbstaufklärung
zielte, die so neugierig und so selbstverständlich war, wie die Frage,
warum jemand zum Neurotiker wird, zum Fetischisten oder schlicht beziehungsgestört
ist. Und welche Antworten hat es gegeben? Zwei beherrschten die Debatte!
So wurde gesagt, dass Homosexualität die Folge eines hormonellen
Mangelzustandes während der Schwangerschaft sei. Heute würde
man sich wahrscheinlich nach genetischen DNA-Besonderheiten umsehen. Damals
entstand die Idee, alle Schwangeren gegen den ursächlich vermuteten
Hormondefizit zu behandeln. Eben mit einer Art Schutzimpfung! Die Konsequenzen
dieser Antwort waren für Homosexuelle kränkend, denn ihr sexuelles
Begehren wurde in den Bereich des Pathologischen gerückt. Akzeptanz
als Kranke wurde ihnen zwar angeboten. Aber es wurde erwartet, dass sie
einsichtige Kranke seien, die sich der Heilung nicht verweigern. Die Debatte
über Heilbarkeit wird heute noch immer geführt. So streiten Wissenschaftler
in den USA zur Zeit darüber, ob Homosexualität psychotherapeutisch
heilbar sei. Wissenschaftler, die heilende Veränderungen durch Psychotherapie
nachweisen, werden als Handlanger der politischen Rechten geziehen, die
Heilungsmöglichkeiten bestreiten, als Freunde der Homosexuellen abgetan!
Die zweite Antwort suchte Begründungen in der Familienstruktur
und der Form der Mütterlichkeit. Das ist heute wie vor 2o Jahren ein
heißes Eisen, denn sie gerät mit dem weit verbreiteten Anspruch
gerade im liberalen Milieu aneinander, dass Frauen grundsätzlich nicht
mit Mängeln und Konflikten des gesellschaftlichen Lebens in Verbindung
gebracht werden sollten. Obwohl der Täterstatus ein negatives Privileg
von Männern noch immer ist, so hat man hier gänzlich übersehen,
dass die übergriffige Mutter vom passiv duldenden Vater ohne viel
Federlesen gedeckt wurde. Die Männer gehören nun einmal nicht
nur als Sexualpartner der Frauen oder als Brotverdiener in die Familie,
sondern auch als Väter. Weil der gender discourse erst allmählich
die Beziehungen von Männern und Frauen als gemeinsam zu verantwortendes
Arrangement ansieht und nicht mehr nur als Gewaltverhältnis von Mächtigen
und Ohnmächtigen deutet, wirkt auch heute noch der Hinweis auf die
Familienstruktur wie ein einseitig verfehlte Verantwortung von Müttern,
obwohl es beide Eltern betrifft.
Diese Sicht war für homosexuelle Frauen und besonders Männer
noch weniger akzeptabel als der hormonelle Pathologieverdacht. Die idealisierte
mütterliche Identifizierung stand dem so sehr im Wege, dass die Homosexuellen
diese Sicht einer Familiengenese von Homosexualität am wenigsten ertragen
konnten! Auch passte die zweite Erklärung von Homosexualität
so gar nicht in die Tektonik von weiblichen Opfern und männlichen
Tätern.
Die Neugier, die dem Psychischen in den 70er und 80er Jahren galt, rieb
sich daran auf, dass Antworten zur Genese von Sexualität generell
nicht mit jener Leichtigkeit gestrickt sind, mit der es der Reklame noch
gelingt, Müllentsorgung und sexuelle Befriedigung lustvoll in einen
Zusammenhang zu bringen. Die Neugier ist an den bösen Überraschungen
letztlich gescheitert.
Für die soziale Frage, ob Homosexualität als Subkultur oder
Lebensstil zu betrachten ist, sind die unbeliebten Antworten auf die alte
Neugier allerdings unerheblich. Auch andere organisieren ihren life style,
ohne die Frage beantworten zu müssen, wie ihre psychische Entstehung
beschaffen sei. Dieses Prinzip muss unangefochten auch für die homosexuelle
Subkultur gelten. Das gilt auch dann noch, wenn dadurch der Blick auf die
kindliche Psychogenese der Homosexualität in den Hintergrund tritt
und kindliche Leidenserfahrungen, die der Homosexualität vorausgehen,
aus dem Blick verloren gehen. So etwas kommt auch in heterosexuellen Beziehungsformen
vor.
Allerdings wird damit nur für die Subkulturbildung unerheblich,
was an der Homosexualität schädlich sein kann. Das gilt nicht
für die möglichen Beziehung zu Kindern, wenn Homosexuelle auf
Elternschaft zugreifen wollen. Das Recht, auf subkulturelle Gestaltung
heißt eben nicht, dass in der "Spaß-Gesellschaft" jede sexuelle
Neigungen undiskriminiert in jeder von ihr angestrebten Weise sich verwirklichen
darf. Das kann es nicht heißen und das ist nichts Neues.
So wird niemand einem Perversen einen Mord nachsehen, nur weil er seinen
sexuellen Neigungen undiskriminiert nachgehen möchte. Und auch niemand
räumt Pädophilen "ein Recht auf undiskriminierte sexuelle Neigungen"
ein, wenn sie auf Kinder jeden Alters zugreifen. Weil internationale Organisationen
der Homosexuellen das ebenso eindeutig sehen, haben sie sich auch von dem
Rechtssoziologen Rüdiger Lautmann distanziert, der anstelle der Eltern
die Pädophilen als Sexualerzieher der Kinder installiert sehen wollte.
Nur weil jemand "seinen Willen nicht bekommt", heißt noch lange
nicht, dass jemand bereits diskriminiert wird. Und aus diesem Grund gibt
es kein Recht von homosexuellen Männern und Frauen auf ein Kind oder
auf die Adoption. Nur weil sie Erwachsenen im förmlichen Sinne sind,
heißt das nicht, "dass sie alles bekommen müssen, wonach sie
ihre Hand ausstrecken". Eine solche Rechtfertigung wäre erst dann
gegeben, wenn sich zeigen ließe, das dieser Wunsch von Homosexuellen
mit dem Wohl der Kinder vereinbar ist. Und dieser Nachweis ist nicht schon
mit dem naiven Bekenntnis erbracht, dass "Homosexuelle doch so viel Liebe
zu verschenken haben" (Standard, 28.7.01). Dann müsste man auch Pädophilen
den Wunsch nach ihrem Kind erfüllen, für den sie ebenfalls "ihre
überreiche Liebe zu Kindern" ins Feld führen! Viele Formen erwachsener
Liebe sind nun einmal für Kinder alles andere als förderlich!
Deshalb hat Heinz Zangerle (Der Standard 27. 7.01) den Aspekt des Kindswohl
erfreulicherweise wieder in eine Diskussion eingeführt, die von Selbstverwirklichungswünschen
ohne Rücksicht für das Kindswohl geleitet wird. Die allein maßgebliche
Frage ist: Was ist schädlich an der Homosexualität für das
Kindswohl?
Der Hinweise auf die Heiligkeit der Ehe hilft uns hier allerdings auch
nicht weiter, weil dumpfe Kirchenhörigkeit gegen die Selbstaufklärung
der Zivilgesellschaft ausgespielt wird. Und weil diejenigen, die das argumentieren,
durch moralische Doppeldeutigkeit und eklatante Feindseligkeit gegen Kinder
auffallen, wenn nicht sogar gerichtsnotorisch werden.
So scheint das Interesse am Kindswohl heute der einzige Hebel zu sein,
um den kindlich anmutenden Taumel über so viel life style Vielfalt
und subkulturellen Zauber wieder an eine Ethik zurückzubinden, die
sich am Wohl der Kinder orientiert. Diesen Versuch hat Heinz Zangerle mutig
begonnen und seine Perspektive möchte ich vertiefen.
Ich will dazu die schicksalhaften Grundlagen skizzieren, mit denen Homosexuelle
sich dem Kinderwunsch nähern. Ich will in nur schwer vertretbarer
Kürze umreißen, warum es Homosexuellen so schwer fällt,
die zerstörerischen Verwirrungen zu verstehen, die sie Kindern zumuten,
wenn sie Elternschaft fingieren. So etwa in der sprachlichen "Missgeburt"
vom Vater als "Momdad" oder der Identifizierung von Elternschaft mit "Doppelväter-"
und Doppelmütterschaft" (Standard, 28./29.7.01)! Ich will an die bewährte,
weil konfliktfähige Kultur erinnern, dass Elternschaft aus einer Beziehung
von einem Mann und einer Frau besteht, die in einem sexuellen Spannungsverhältnis
zu einander stehen, die es den Kindern ermöglicht in diesem Spannungsverhältnis
eine sexuelle und kulturelle Identität zu entwickeln, die diese wiederum
dazu befähigt, die Kultur einer potentiell kultivierenden Beziehungsfähigkeit
weiterzugeben. Und damit die so wichtige Generationsfolge sichern!
Um das zu veranschaulichen skizziere ich, was eine homosexuelle Frau,
die "Mutter durch Besamung" geworden ist, in ihrer psychischen Einstellung
zu Männern von jener Frau unterscheidet, die von einem Mann schwanger
geworden ist. Zur Verschärfung meines Arguments wähle ich die
Situation eines Sohnes.
Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass die heterosexuelle Frau
schwanger wurde, weil sie mit einem Mann Sexualität hatte, das genießen
kann und weil sie Männer grundsätzlich begehren kann, - ohne
deshalb die Augen vor ihren Fehlern verschließen zu müssen und
sie zu idealisieren.
Die homosexuelle Frau hingegen wurde Mutter, weil sie einem Mann das
Sperma "weggenommen" hat, weil sie es sich nicht "geben" lassen kann. Der
Anlass zu dieser "Organtransplantation" kommt nicht von außen, sondern
er ist Ausdruck eines schwerwiegenden psychischen Konflikts: Die homosexuelle
Frau erträgt Sexualität mit Männern nicht. Sie empfindet
Widerwillen davor, sie hat panische Angst vor orgastischer Verschmelzung,
sie wird von Ekelgefühlen beim Gedanken an den Sexualakt beherrscht
- oder sie ist Männern gegenüber gänzlich ohne Gefühl.
Wahrscheinlich käme ein zeugender Akt für sie einer Vergewaltigung
gleich.
Welche Konsequenzen zieht diese grobe Unterscheidung unter Kindswohlaspekten
nach sich? Stellen wir uns die Beziehung eines Sohnes vor, der an Seite
einer homosexuellen Frau aufwächst, deren Weiblichkeit von Angst und
Abwendung, wenn nicht sogar von noch heftigerer Ablehnung alles Männliches
beherrscht wird. So wird der Sohn zwangsläufig in ihr all das auslösen,
was sie am Männlichen nicht erträgt oder verleugnet. Wie geht
sie damit um, wenn der Sohn seine erste Erektion hat, wie wenn er sich
in seine Mutter verliebt und sie seine Zärtlichkeit und sein sexuelle
Phantasien bemerkt? Auch der kleine Sohn hat den Penis der für sie
das Angst machende Männliche symbolisiert und zugleich ist. Unter
diesen Voraussetzungen wird die Kindheit des Jungen mit der homosexuelle
Mutter eine alltägliche Konfrontation mit deren angstgetriebenem Ablehnung
des Männlichen sein, dass die "Mutter" in endlosen Variationen an
ihn heranträgt. Was an ihm männlich ist, bedroht sie!
Natürlich haben auch viele heterosexuelle Frauen Probleme mit ihren
Söhnen und der Männlichkeit im allgemeinen. Aber der grundlegende
Unterschied besteht darin, dass diese Frauen in der Lage sind, ihre problematischen
Beziehungsaspekte zu bearbeiten und dass sie das auch wollen; nämlich
dann, wenn sie selber auf Probleme zu ihrem Sohn stoßen oder darauf
hingewiesen werden. Diese Frauen können sich ändern, weil sie
mit den männlichen Konflikten ihres Sohnes und seiner Männlichkeit
identifiziert sind und weil ihre Fähigkeit, Männer zu lieben
und zu begehren, sie dazu befähigt. Sie können das, weil sie
anders als homosexuelle Frau sich nicht fürchten, auf männlichen
Welten und Phantasien in ihrem Sohn zu stoßen. Sie erträgt die
Andersartigkeit, die das Männliche verkörpert und die ein Teil
der fruchtbaren Spannung zwischen den Geschlechtern ist.
Die homosexuelle Frau hingegen versetzt das in Verwirrung. Sie ist
nicht fähig, sich einfühlsam verstehend ihrem Sohn zuzuwenden.
Hier geht es um psychische Beziehungsfähigkeit, nicht um Versorgung,
Schulaufgaben oder ähnliches. Das machen zwar Mütter auch. Aber
das ist nicht das Wesentliche der Mütterlichkeit.
Die homosexuelle Frau kann ihre Beziehung zum Sohn nicht oder nur unwesentlich
verändern, weil unbewusste Verachtung und Angst vor allem Männlichen
die schicksalhafte Basis ihrer sexuellen Identität bilden. Das hindert
sie am empathischen Verstehen ihres Sohnes. Er bleibt ihr ewig fremd. Und
von mangelnder elterlicher Empathie wissen wir aus der Forschung sehr genau,
dass sie bei der Entstehung von schweren psychischen Störungen und
sozialer Verwahrlosung immer eine herausragende Rolle spielt. Natürlich
leiden auch Töchter unter der homosexuellen Frau, denn auch sie dürfen
den Wunsch nach dem Vater nicht "wissen", sondern sollen die Mutter als
"autark" erleben. So sind auch die Töchter dazu verdammt, die Männerangst
ihrer homosexuellen Mütter zu übernehmen.
Als tiefe Einsicht in das Schicksal der Homosexualität kann gelten,
wenn homosexuelle Frauen und
Männer akzeptieren, dass der Preis für ihre Homosexualität
hoch und leidvoll ist: nämlich Kinderlosigkeit aus Kindswohlgründen
zur Folge hat. Der Gang in die "Samenhandlung" oder zur Adoption hat vor
diesem tragischen Hintergrund nicht nur etwas bedrückend Illusionäres,
sondern gegenüber den Kindern sehr Destruktives. Im übrigen hat
die Nähe der Schwulen- zur Frauenbewegung traditionell sich gegen
alle Formen der reproduktiven Manipulation von Frauen gewandt – einschließlich
der Präimplantationsdiagnose und der Geschlechtsbestimmung. Ich habe
den Eindruck, dass bei homosexuellen Frauen ein Bruch mit diesem Traditionsstrang
stattgefunden hat und statt dessen eine Kindswohl abträgliche Tendenz
zum Kind um jeden Preis eingesetzt hat.
Die Gesellschaft schuldet homosexuellen Frauen und Männern diese
Hinweise. Denn auch das pseudoliberale Gewährenlassen ist dem Kindswohl
abträglich. Aber nicht nur das: Es ist ebenso ein Zeichen aggressiver
Desinteressiertheit an Homosexuellen.
Prof. Dr. Gerhard Amendt
Institut für Geschlechter- und Generationsforschung an
der
Universität Bremen
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