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Beim Sichten des nachfolgenden Artikels hat's mir glatt die Sprache verschlagen und das Hirn durcheinandergebracht. Deswegen bis zur Rekonstruktion eine kommentarlose Übernahme des Beitrages. Die Herren und Damen der "Presse" aus Wien mögen es mir verzeihen.
Gerhard Hanenkamp 18.5.98

Gynaikokratie-Weiberherrschaft

Weiblichkeiten

Wider die Bastion aus Heuchelei, Heimtücke und blöden Herrenwitzen.

Freiwillig fahre ich ja nirgends hin. Aber wenn das Telephon läutet, packt mich die Neugier auf die Welt des ewig Gleichen. Also halte ich eine Rede zur Ausstellung "Weiblichkeiten" im ehrwürdigen Stift Rein bei Graz. Eröffnen wird die "Weiblichkeiten" der Abt des Stiftes. 

"Die Abtei ist", lese ich im Dehio, "von ihrer Gründung an bis heute ununterbrochen durch die Zisterzienser besiedelt und somit das älteste der noch aktiven Zisterzienserstifte." - Die Ungarn, die Türken, Romanik, Gotik, Barock, nun also Weiblichkeiten. 

Was sind 869 Jahre Klosterleben gegen viele tausend Jahre Weiblichkeiten? Die geeignete religiöse Anknüpfung ist die Venus von Willendorf, etwa 30.000 v. Chr. Elisabeth und Harald Schindelka, die ausstellenden Künstler (Ton, Acryl, Öl) befinden sich, schreiben sie mir, "in der gestalterischen Nähe der Venus von Willendorf". 

Rose Anne, die dicke Dame des US-Fernsehens, ist die Wiederkehr der Venus von Willendorf. "Dicke Damen" ist das große Thema der Austro-Sexualität, wovon Heimito von Doderer ausführlich gehandelt hat ("Die Dämonen", 1956). Helmut Qualtinger erzählt: "Sterben wollte Heimo auf eigene Weise. Er sagte mir, ja eigentlich möchte ich enden mit viel schwarzem Kaffee und viel Frauen, natürlich mit dicken Ärschen." - Frau und Kugel: die Kunst der Frühzeit ist voll davon. Rund, immer wieder rund. Eine Welt aus Frauenkugeln. Männer erscheinen in den Höhlenzeichnungen wenige, schmal, sehnig, oft mit erigiertem Glied. Kein Wunder. 

Die Frau, speziell die rundliche, kugelige, starke: sie ist dem Manne weit überlegen. Das ist der Kern alles wahren Feminismus seit 30.000 v. Chr.: Das Übergewicht der Frau. 

Schweizer sind gar nicht so bieder wie sie aussehen: Johann Jakob Bachofen, Privatgelehrter zu Basel, liebte seine wohlbeleibte Mutter und schrieb aus diesem Urgrund "Das Mutterrecht. Die Untersuchung über die Gynaikokratie der alten Welt" (1861). "Gynaikokratie" ist ein altes Fremdwort für das altdeutsche Wort "Weiberherrschaft". Neuere Forschungen bestätigen die Grundthese des Schweizer Mutterliebhabers: Unterhalb der klassisch griechisch-römischen Zivilisation liegen Gesellschaften mit Vorherrschaft der Frauen. 

Ist die Emanzipation der Frau durchgesetzt, was ich lebhaft wünsche, so ist dies nicht die Herstellung eines ganz neuen Zustandes, sondern die Wiederherstellung einer uralten Überlegenheit. "Gleichberechtigung" ist nur der äußerliche, taktisch-strategische Kampfruf, in Wahrheit geht es um die Überlegenheit der Frau. 

Wichtige historische Bewegungen, wie der Feminismus eine ist, wissen oft gar nicht, was sie wollen. Das, was sie für ihr Ziel halten, erreichen sie nicht, sondern ein ganz anderes, vom dem sie in der schönen Blindheit des Kampfes nichts ahnen. Das ist eine Faustregel der Weltgeschichte. 

Urgrund der widerlichen Macho- und Chauvi-Herrschaft der Männer ist nicht deren Stärke, sondern deren Schwäche. Die Männer unterdrücken die Frauen, weil sie zuinnerst wissen: Lassen sie sie herauf, so erringen die seelisch und geistig stärkeren Frauen sogleich das in ihrer Natur angelegte Übergewicht. 

So ist die Herrschaft der Männer stets eine wackelige und muß mit desto größerer Pomposität ständig neu gesichert werden. Diese Herrschaft knickt täglich und nächtlich immer wieder kläglich ein. 

Die schwankende Bastion der Männer wird nur noch gehalten mit einer Mischung von Heuchelei ("ich bin eh für die Frauen"), Heimtücke ("der wer' mas scho' zeigen") und blöden Herrenwitzen. - Ich sehe dem nahen Zeitpunkt gern entgegen, da unsre männliche Herrschaft auch äußerlich zusammenkracht. Es hat einen uralten Sinn, daß in jeder ordentlichen Religion die Göttlichkeit der Frau gebührend zum Vorschein kommt. Maria ist der Gipfel des Feminismus. 

Copyright "Die Presse", Wien
 
 

ps: wie wir erst jetzt erfuhren entstammt der Beitrag der Feder von
DDr. Günther Nenning

Autor: DDr. Günther Nenning  Datum 18.05.1998 Mail: c/o brain@gabnet.com
Verteiler: HAUPT / MÄNNER/ POLITIK / JUSTIZ / WIRTSCHAFT / LITERATUR / KUNST / TOURISMUS / PSYCHOLOGIE / PHILOSOPHIE / PHYSIK  / CHRONOLISTE
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