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| Lieber Arthur,
als ich heute meinen Anrufbeantworter abhörte, erhielt ich die Nachricht, daß Du Dich vor einigen Wochen für immer von uns verabschiedet hast. Diese Nachricht wird viele von uns betroffen machen, warst Du doch einer der wenigen, der sein Leben in den Dienst einer menschlichen Gesellschaft stellte und durch die lange Zeit in der Du die schwierige Arbeit gemacht hast, wie durch Deine vielen öffentlichen Auftritte bei Veranstaltungen, Seminaren, Treffen in Deiner nimmermüden, quirlige Art vielen bekannt warst. Viele haben Dir zu verdanken, daß sie mit ihren Kindern und Eltern wieder zusammen sein konnten. Du hast keinen und nichts geschont, wenn es darum ging, die Wahrheit zu verbreiten. Du wurdest nicht von allen geliebt - dazu hattest Du zuviele Ecken und Kanten - aber geschätzt. Das ist manchmal viel wichtiger. Die Nachricht, daß Du uns verlassen hast, macht mich traurig,
weil mit
Auch dafür danke ich Dir, denn sie haben in vielen Fällen
bleibenden
Aber keinen Abschied von Dir, wenn nicht auch die menschliche Seite,
Da kamst Du - wie immer verspätet zu den Veranstaltungen - klein, wieselig, eine grifflose schwarze Aktentasche unter Deinem Arm, bei der bereits die Flugblätter herausblitzten, in den Raum, und legtest davon mehrere Stöße zu den bereits vorhandenen anderen, "offiziellen" Informationen hinzu, ohne um Erlaubnis zu fragen. Es war selbstverständlich, denn Du warst ja Arthur - und viele kannten Dich bereits aus Deiner langen Arbeit. Immer, wenn Du kamst, - wie gesagt - alle waren schon da - ging ein Raunen durch den Raum, sobald Du erblickt wurdest und die erstaunte Frage nach dem kleinen, alten, quirligen Herrn, der seine Flugblätter in gekonnter und geübter Weise, nahezu ohne daß andere es mitbekamen, auf die Auslagen verteilte, wurde beantwortet mit: "Das ist Arthur, wer das ist, erzähle ich Dir später!" Das mußte man auch, denn über Dich gab es soviel Anekdoten, daß sie jeden Rahmen einer Tagung sprengten, würden sie im offiziellen Teil erzählt. Und dann setztest Du Dich oft in die ersten Reihen, hörtest
zu - auch wenn es Dir manchmal schwer fiel - und nicht lange danach gab
es oft zwei verschiedene Töne: Ein Schnarchen und gleich darauf ein
Pfeifen. "Aha", ging es dann durch die Reihen, "Arthur schläft." Niemand
nahm es Dir übel, nur, wenn das Pfeifen Deiner Hörgeräte
so laut wurde, daß der Redner nicht mehr zu verstehen war, landete
von Zeit zu Zeit ein Ellenbogen in Deinen Rippen, ein etwas verstörtes
"Was ist denn los?" kam aus Deinem Mund, vom Nachbarn der Hinweis, daß
das Hörgerät so laut piepte, daß Du es einstellen solltest
und weiter ging unter
Je nach Wichtigkeit des Vortrages wiederholte sich dieser Vorgang
War dann die Diskussion freigegeben, war einer immer mit dabei, der
stehend, die Mappe mit den Flugblättern unter dem Arm, etwas schief
stehend, mit angewinkeltem rechten Arm, den Zeigefinger kerzengerade in
die Luft erhoben, sich mit seinem kleinen, drahtigen Körper ein wenig
in die Luft schraubend, ein wildes Pamphlet in die Runde zu geben: Arthur.
Es hatte immer seine Wirkung - aber Arthur, hier verzeih mir meinen Spott,
der jedoch nicht böse gemeint ist.- sie war nicht immer die von Dir
erhoffte. Oft trug sie dazu bei, den Saal aus der
Aber qualifiziert schimpfen konnte auf den Tagungen keiner so gut wie Du - und (ob das stimmt, weiß ich nicht, aber es könnte sein)
einige sind
Diese Liebe zur Wahrheit hat Dir mit Gerichten und Behörden
viel Ärger
Dadurch ist es Dir auch zu verdanken, daß es einige Menschen gibt, die Dir ihre Freiheit, Ehre, den Umgang und die Sorge mit und für ihre Kinder wahrnehmen konnten, obwohl Du selbst sehr darunter gelitten hast, daß Deine Bindung an Deine Kinder auch zerstört wurde und Du nur wenig Einfluß hattest, ihnen einen Weg ins Leben zu zeigen. Lieber Arthur, oben schrieb ich schon, daß es über Dich
viele Anekdoten gibt. Sie oder einige davon zu erzählen, überlasse
ich anderen. Erwähnen möchte ich jedoch auch, daß Du bereits
in Zeiten des Unrechts in der DDR ein mutiger Mensch warst, der dafür
sogar lange Jahre im Gefängnis war. Diese Jahre haben Dich körperlich
gezeichnet, aber nicht gebrochen - im Gegenteil: Unrecht war bei Dir ohne
Ansehen der Nation oder der politischen Couleur überall da zu benennen
und abzustellen, wo es aufgetreten ist. Dafür hast Du Dich unter Aufgabe
Deines Privatlebens eingesetzt. Dafür möchte ich Dir danken und
mich voller Ehrfurcht, aber auch mit dem Zwinkern in den Augen über
Dich als
Du wirst uns nicht nur auf den weiteren Tagungen fehlen. Horst Schmeil
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| Autor: Horst Schmeil |
| Erstellungsdatum 21.05.1999 G*A*B - Datum: 23.05.1999 Mail:pappas@berlin.snafu.de |
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