| Drochtersen (pa). Der Drochterser Thomas
Schröder - Gründer der Selbsthilfegruppe "Männer & Scheidung"
- möchte gerne mit offiziellem Titel für seine Sache kämpfen.
Nachdem er vor einem Jahr bei der Stadt Stade mit seiner Bewerbung um einen
Posten als Männerbeauftragter abgeblitzt ist, hat er es nun erneut
in der Gemeinde Drochtersen versucht. Zumindest einige Politiker nehmen
ihn ernst.
Er möchte gerne Anlaufstelle für leidgeplagte
Männer sein und will unentgeltlich als ehrenamtlicher Beauftragter
der Gemeinde arbeiten, begündete Schröder seine Bewerbung bei
der Gemeinde. Immerhin schaffte es Schröder, im nicht öffentlich
tagenden Verwaltungsausschuß bei den Politikern, die sich lange gegen
eine Frauenbeauftragte in der Gemeinde gewehrt haben, spontan und offenbar
unkompliziert Gehör zu bekommen. Die Verwaltung - so das Fazit der
Politiker - solle doch |
erst einmal prüfen, welche rechtlichen
Grundlagen es denn für einen solchen Job geben könnte. Verwaltungschef
Emil Frerichs:
"Die Funktion einer Frauenbeauftragten ist klar gesetzlich
geregelt, aber einen solchen Posten gibt es eben nicht für Männer."
Dennoch ist Frerichs gerne bereit, rechtliche Möglichkeiten auszuloten.
Beim Städte- und Gemeindebund will er anfragen.
Unterdessen soll das Anliegen Schröders in den Fraktionen
beraten werden. Doch nach einer TAGEBLATT-Befragung der Fraktionschefs
ist man eher verhalten. CDU-Bürgermeister Hans-Wilhelm Bösch
ist skeptisch: "Einen Männerbeauftragten sollten wir nicht einstellen",
meint der Ratsvorsitzende, der zudem fürchtet, daß die Gemeinde
vor den Karren einer Medienkampagne gespannt werden könnte. Etwas
offener ist da schon CDU-Fraktionschef Arthur Meyer: "Es gibt eben auch
viele Männer mit Problemen."
Das gleiche findet auch der |
SPD-Fraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Erhard
Wolfkühler: "Wir müssen diesen Mann doch zunächst einmal
ernst nehmen." Ob er denn nun wirklich einen kommunalen Stempel erhalte,
sei rechtlich zu prüfen. Gleichwohl warnt auch Wolfkühler: "Das
darf natürlich kein PR-Gag werden." In der SPD-Fraktion wird das Thema
aber sicher strittig diskutiert. SPD-Ratsherr Heino Baumgarten jedenfalls
vertritt eine völlig andere Ansicht als sein Fraktionschef: "Das ist
doch eine Lachnummer."
Nicht zum Lachen, aber kaum als Gemeindeangelegenheit
ernst zu nehmen, findet WG-Fraktionsvorsitzender Rigo Gooßen die
Sache. Er habe Verständnis für die Probleme Schröders als
mögliches Scheidungsopfer. Dafür habe er ja seine Selbsthilfegruppe
gegründet. Doch die Frage, ob es möglicherweise Ungerechtigkeiten
im Scheidungsrecht gebe, sei nun wirklich nicht Thema für Kommunalpolitiker. |
LESERBRIEFE
* LESERBRIEFE * LESERBRIEFE * LESERBRIEFE *
| “Schnauze voll" vom Feindbild Mann
· "Der erste Männerbeauftragte?" (WOCHENBLATT 43/98) Thomas
Schröder aus Drochtersen bewarb sich als offizieller ehrenamtlicher
Männerbeauftragter.
Den Einsatz eines Männerbeauftragten kann ich nur befürworten.
Allerdings nicht unter den sich anbahnenden Vorzeichen: Die Frauenbeauftragte
Karina Holst aus Stade befürwortet dies nur, wenn "die Männer
so weit sind, daß sie Defizite an sich feststellen."
Wofür ist denn der Posten der Frauenbeauftragten eingerichtet
worden? Doch wohl nicht weil "Frauen Defizite an sich festgestellt haben!"
Dr Gabriele Kriese hält die Formulierung "Männerbeauftragter”
für gefährlich, weil angeblich suggeriert, die "Männer wollen
zurückschlagen".
Männerbeauftragter? Nein! Frauenbeauftragte dagegen ja?
Gefährlicher ist: Ingrid Scherzer Hartz wirft alle Männer in
einen Topf und fordert in lhrem Buch schon etwas, das für mich wie
“die Endlösung der Männerfrage" klingt! Hatten wir solch wahnsinnigen,
pseudowissenschaftlich begründeten Auswüchse nicht schon einma!?
Ist es da ein Wunder, daß sich die Männer angegriffen fühlen?
Daß sie nicht länger widerspruchslos nur als Freiwild für
einige radikale Emanzen herhalten wollten. Daß sie als Männer
nicht immer pauschal zum potentiellen Triebtäter und Prügler
abgestempelf werden wollen? Daß “Mann" langsam die "Schnauze" voll
hat.
Es wird nichts mit der Gleichberechtigung und Emanzipation, wenn sich
nicht auch die Männer ändern. Das stimmt. Aber auch einige Frauen
sollten von ihrem sorglältig konstruierten und und gepflegten "Feindbild
Mann" abrücken.
Carsten Corleis
Moisburg
|
Bittere Notwendigkeit
Zu dem Bericht "Männerbeauftragter “Das ist doch eine Lachnummer"
[TAGEBLATT vom 11. November) schreibt Dr. U.Kaul, Mozartstraße, Stade:
Als Scheidungsopfer und Gründungsmitglied der Selbsthilfegruppe
Thomas Schröders kenne ich dessen fachliche und menschlich-moralische
Kompetenz schon länger. Ein Männerbeauftragter vom Schlage Schröders
wäre kein Witz, sondern leider bittere Notwendigkeit in einer aberwitzigen
Gesellschaft. Vermutlich würde Thomas daher seinen Weg auch ohne Drochtersen
als Startpunkt machen. Das Interesse der Medien an ihm und seiner Idee
ist längst über die Region hinausgewachsen.
Es waren - lächerlich genug - Männer, die aus billigem
Opportunismus einer feministischen Bewegung zum Durchbruch verhalfen, die
heute jenseits sinnvoller Emanzipation vernichtungssüchtig wütet.
von
keinem Verantwortlichen gebremst (wie M. Matussek dies in seinem Buch "Die
vaterlose Gesellschaft" brillant belegt). Wenn in dieser Situation der
Ratsherr Heino Baumgarten das Engagement Schröders als Lachnummer
bezeichnet, dann bleibt lediglich zu ergänzen: Weiter so - nur die
dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.
|
Gesendet auf NDR-Niederelbe NDR 1 in den Nachrichten
um 0800 Uhr
Frauenbeauftragte gibt es inzwischen in jeder größeren
Gemeinde: In Drochtersen im Kreis Stade hat sich ein Bürger als ehrenamtlicher
Männerbeauftragter beworben. Am Abend hat der Rat entschieden Drochtersen
bekommt keinen Männerbeauftragten.
Jörn Pietschke berichtet....
Drochtersen an der Niederelbe wird nicht zum Vorreiter für Männerbeauftragte
- der Rat hat die Bewerbung eines 39jährigen Kapitäns abgelehnt,
der im Ehrenamt für die Männerrechte in dem Dorf bei Stade streiten
wollte. Dabei steht der Bewerber bereits seit einem Jahr in einer von ihm
gegründeten Selbsthilfegruppe für Männer, die bei Scheidungsfragen
Hilfe suchen, seinen Mann. Der Vater von zwei Kindern lebt derzeit selbst
in Scheidung und hatte sich vorher bereits vergeblich um den Posten als
Männerbeauftragter für den gesamten Landkreis Stade beworben.
Nun hat ihm auch seine Heimatgemeinde - mit 13 Gegenstimmen, bei neun Jastimmen
und sieben Enthaltungen allerdings denkbar knapp - einen Korb gegeben.
Mit diesem Votum gegen einen Männerbeauftragten folgte der Rat in
Drochtersen übrigens einer Empfehlung der Frauenbeauftragten.
Redakteur: Pietschke
Gesendet auf NDR-Niederelbe NDR 1 in dem Nachrichten um 1200
Uhr
Männerbeauftragter
Braucht Niedersachsen einen Männerbeauftragten? Der Bericht
über die abgelehnte Bewerbung eines 39jährigen Kapitäns
aus Drochtersen bei Stade hat die Diskussion über die Gleichberechtigung
entfacht.
Jörn Pietschke zu den Reaktionen des Bewerbers aus Drochtersen
auf die Absage des Rates.
Thomas Schröder gibt die Hoffnung nicht auf: Das Abstimmungsergebnis
über seine Bewerbung als ehrenamtlicher Männerbeauftragter in
Drochtersen ist denkbar knapp ausgefallen, das negative Votum erklärt
er sich auch mit der möglichen Angst des Gemeinderates auf dem Feld
der Gleichberechtigung Neuland zu betreten. Denn noch gibt es - nach Kenntnis
der Landesregierung - keinen einzigen offiziellen Männerbeauftragten
in Niedersachsen. Während Frauenbeauftragte auf einer gesetzlichen
Grundlage arbeiten, wäre die Einrichtung der Stelle eines Männerbeauftragten
eine freiwillige Aufgabe, bei der die Gemeinden nach Angaben des Innenministerium
jedoch durchaus freie Hand haben. Frei nach dem Motto selbst ist der Mann,
haben die Männer und Frauen in den Räten hier durchaus Handlungsspielraum.
Bis es soweit ist hilft Thomas Schröder interessierten Männern
gerne weiter, in allen Fragen rund um Scheidung und Sorgerechtsfragen auch
mit der von ihm gegründeten Selbsthilfegruppe, die sich jeden Mittwoch
ab 19 Uhr 30 im Stader Johanniskloster trifft.
Redakteur: Pietschke
zurück
zu: Männer
& Scheidung / Presseschau
/
|