taz bremen 12/17/18. Februar 1999 
" Liebe taz..."
Rektor wehrt sich gegen Kritik
Betr. "Weiber! Frauen des Jahres", taz bremen vom 30.1.1999
Die Universität weist die in der Taz verbreiteten Diffamierungen und persönlichen Angriffen auf eine Mitarbeiterin der ADE zurück. Die Universität bedauert, daß vertrauliche Kritikgespräche und Fachbereichsdiskussionen wiederholt skandalisiert, verzerrt und falsch dargestellt werden.
In dem Artikel wird behazuptet, eine Mitarbeiterin der Arbeitsstelle gegen sexuelle Diskreminierung und Gewalt am Ausbildungs- und Erwerbsarbeitsplatz (ADE) der >Universität Bremen habe einen Spanisch-Lehrer der sexuellen Diskreminierung beschuldigt, ein "zweifelhaftes Verfahren gegen den Pädagogen in Gang" gesetzt und gegen ihn ermittelt.
Richtig ist, daß keine Beschuldigungen durch MitarbeiterInnen der Universität ausgesprochen, keine Ermittlungen oder andere dienstrechtliche Verfahren  gegen den Spanisch-Lehrer eingeleitet worden sind. Studierende haben nach Ziff. 4.1 Abs. 1 der Richtlinie der Universität gegen sexuelle Diskreminierung und Gewalt in >Übereinstimmung mit Ziff. 4.3 der Dienstanweisung des Senates der Freien Hansestadt Bremen das Recht, sich vertraulich zu beschweren. Gemäß Ziff. 3.1 der universitären Richtlinie und Ziff. 4.8 der senatorischen Dienstanweisung ist der Kritisierte unter strikter Wahrung der Vertraulichkeit über seinen Vorgesetzten und die Mitarbeiterinnen der ADE als Vertrauensperson der Studierenden über die Kritik in Kenntnis gesetzt worden.
Die taz behauptet, Studierende hätten "Weltliteratur" und "Filmklassiker" kritisiert.
Richtig ist, daß ein gesamtes Unterrichtsgeschehen problematisiert worden ist. Zu der Unterrichtsmethode gehörte es u.a., Ausspracheübungen anhand von kurzen Filmausschnitten durchzuführen, die u.a. Geschlechtsverkehr , Gebährmutterkrebsdiagnosen und Abtreibung zum Gegenstand hatten.

Die taz behauptet, am 30.1.1999, eine Mitarbeiterin der ADE habe sich vor dem Fachbereichsrat mit den Worten verteidigt: "Unschuldig verfolgt heißt auch ich lasse das mit mir  machen." 
Laut taz v. 20.12.1998 ist dagegen richtig, daß der Fachbereichsrat mit Mitarbeiterinnen der ADE ausschließlich die rechtlichen Grundlagen von Beschwerdeverfahren diskutiert und Änderungsvorschläge gemeinsam erarbeitet hat. In diesem Zusammenhang wurde dargelegt, daß der persönliche Schutz der Beteiligten zum einen durch die Einhaltung der Vertraulichkeit gewährleistet ist, zum anderen eine in die Kritik geratene Person durch Einleitung eines förmlichen Verfahrens gegen sich selbst Rehabilitation verlangen kann.

Prof. Dr. Jürgen Timm
Wir veröffentlichen das Schreiben des Rektors der Universität Bremen als Diskussionsbeitrag gern; um eine Gegendarstellung im Sinne des Presserechts handelt es sich allerdings nicht, da kein aus der taz zitierter Satz als unrichtig bezeichnet wird.
"Grotesker Rufmord-Skandal"
Betr.: Frau des Jahres", taz bremen vom 30.1.1999
Der Uni-Rufmordskandal zu meinen Lasten nimmt immer groteskere Züge an. Nun verkündet auch der Rektor qua Amt Unwahrheiten. Was ist geschehen? Zunächst gab es nichts anderes als den Normalbetrieb universitären Sprachunterrichts. Dann wurden anonym Beschwerden vorgebracht, die bösartig falsche Behauptungen enthielten.Wenn in einem Film über die Lebenswirklichkeit spanischer Jugendlicher das Wort "flirten" vorkam, hieß es, es sei das Vokabular der Anmache.vermittelt worden Andere Beschwerden sind ähnlich.

Nun ist schon das Beschwerdeverfahren so angelegt, daß es Rufmord eher befördert, denn unterbindet. Umso schlimmer, wenn die Verantwortlichen dann auch noch versagen. Die Damen der Beschwerdestelle ADE glaubten, rechtsstaatliche Prinzipien durch inquisitorische Verfahren ersetzen zu müssen. Ihre Arbeit haben sie damit diskreditiert. Es ist traurig, daß Frauenverbände und Einzelpersonen sich nun in falsch verstandener Solidarität üben. Frauen in ihrem Kampf gegen den real existierenden Sexismus ist damit nicht gedient.

Der Fachbereichssprecher verknüpfte das vertrauliche Gespräch sofort mit meiner Beschäftigungssituation (von wegen Vertraulichkeit, Herr Rektor!) Der in der Klammer angesprochene prüfte ebenfalls nicht. Das hat, sehr sorgfältig, die Presse getan. Ergebnis: von Frauenfeindlichkeit nicht die Spur. Folge: bundesweite Empörung und Hohngelächter über die Bremer Uni.

Der Rektor stellte die Sache ein und mahnte, daß kein Anlaß zur Kritik besteht. Was dies für den Lehrbetrieb bedeutet, hat er anscheinend nicht reflektiert. Daß eine Universität von der offenen 

Diskussion lebt und nicht von anonymer Denunziation, fiel niemendem ein. Die nicht anonymen Studierenden , die sich aus der Kenntnis der Realität empörten, wurden zu keinem Zeitpunkt ernst genommen. Nun meldet sich Herr Timm (Uni-Rektor, d.Red.) zu Wort und behauptet, es habe - als Methode!- Ausspracheübungen zu Themen wie Geschlechtsverkehr gegeben. Eine unglaubliche, haltlose Diffamierung, wie meine damaligen Kursteilnehmer gerne bestätigen werden!

Was den Recktor bewegt,  auf der Basis ungeprüfter Behauptungen und unverstandener Unterrichtsprozesse einen ehemaligen Mitarbeiter in der Öffentlichkeit aufs Übelste zu verleumden, ist mir unklar.Vielleicht ist eher hier eine Methode zu erkennen (siehe Fall Schmitz-Feuerhake). Zu dieser Magnifizenz fällt mir nichts mehr ein, vielleicht aber den Gerichten. Die Professoren müssen sich fragen, ob der Rektior unbedingt Timm heißen muß.

Noch etwas: nebenbei bin ich auch der Übersetzer eines der bedeutendsten Lyriker der Gegenwart. Da der Chilene Gonzalo Rojas  - unter anderem - einige der schönsten erotischen Gedichte der 
spaniscvhen Sprache geschrieben hat werde ich dieser legendären Figur der lateinamerikanischen Literatur bei unserem nächsten Arbeitstreffen berichten können, sein Werk hätte an der Bremer Uni keine Chance. Zwei, drei aus dem Kontext gelößte Begriffe würden genügen, ein unsägliches Verfahren loszutreten, dem dann niemand Einhalt geböte, da Beurteilungskompetenz nicht vorhanden, Diffamierungskompetenz aber umso ausgeprägter ist. Erbärmlich!

Rainer Kornberger  (betroffener Spanischdozent)
 

International nur Kopfschütteln
Betr.: dto
Rainer Kornberger, Vorsitzender des Deutschen Spanischlehrer-Verbands im Lande Bremen, Verfasser von vielbenutztem Lehrmaterial in anerkannten Schulbuchverlagen, renomierter Übersetzer, Didaktiker und Sprachpädagoge, seit Jahrzehnten erfolgreich an bremischen Lehranstalten tätig und fünf Jahre lang hauptverantwortlich für den Spanisch-Unterricht an der Universität Bremen, ist in letzter Zeit Zielscheibe diffamierender Angriffe geworden, die auch international nur Kopfschütteln hervorgerufen haben.

Obwohl sich die dafür zuständigen Fachgremien der Universität in ihrer überwiegenden Mehrheit hinter Rainer Kornberger gestellt und seine Abordnung für ein weiteres Semester beschlossen hatten, obwohl der größte Teil der Studierenden im Spanisch-Bereich durch seine Unterschrift und Schreiben an den Rektor jede Kritik an dem Sprachunterricht Reiner Kornbergers von sich gewiesen hatte und  trotz auswärtiger Stellungnahmen von kompetenten Fachkollegen , wurden höchst zweifelhafte Richtlinien angewandt, die inzwischen trotz "Nachbesserungen" weiterhin anonymen Denunziationen und Mißbrauch Tür und Tor öffnen werden.

Wie groß müssen die Rechtfertigungszwänge einer Institution 

sein,wenn sie nur noch Paragraphen zitiert, statt sich mit Inhalten auseinanderzusetzen! Rainer Kornberger hat seine Lehrinhalte immer kritisch, kenntnisreich und anschaulich begründet und auch in den inkriminierten Fällen didaktisch und methodisch hinterfragt. Es zeugt von bedenklichem Fehlverstand der Instanzen, wenn Hörverständnisübungen als Ausspracheübungen bezeichnet und die fünfjährige erfolgreiche Lehrtätigkeit eines Dozenten (mit qualitativ überdurchschnittlichen Prüfungsergebnissen) aufgrund von rein formal beurteilten und aus dem Kontext gerissenen Segmenten als problematisch angesehen wird.

Ein Verfahren das auf anonymen Anzeigen beruht, das dem Beschuldigten bis heute nicht Einblick in das gesamte Belastungsmaterial gewährt hat, bei dem die Verurteilung schon von vornherein fest stand, da Beschuldigungen und beantragte Lehrtätigkeit für ein weiteres Semester miteinander verknüpft wurden, läßt sich schwerlich als korrekt bezeichnen.Denn das Verfahren der "Inquisition war darauf abgestellt, die größtmögliche Wirkung zu erzielen und dabei möglichst wenig bekannt  werden zu lassen", schreibt der englische Sozialhistoriker Henry Karnen in seinem Standardwerk über die spanische Inquisition.

Prof. Dr. Martin Franzbach.

Diktatur oder nicht
Betr.: "Frau des Jahres" taz bremen vom 30.1.1999 
Gegen unseren Kollegen Reiner Kornberger wurde mit niederträchtigem Duckmäusertum und Verleumdung verfahren. Weder Gutachten noch stichhaltige Beweise. Wie in einer Diktatur. Ich finde es unglaublich, daß gerade im akademischen Milieu die simpelsten Grundsätze des logischen Denkens nicht befolgt werden. Was zu einer rationalen Diskussion führen sollte, ist zu einer hormonalen Angelegenheit verkommen. Der erste Grundsatz für 
solch eine heikle Debatte sollten ausreichende Kenntnisse der wissenschaftlichen Problematik der Fremdsprachentheorie sein. Wenige Spanischlehrer haben so gut die Verbindung zwischen Sprache und Denkweise einer Kultur verstanden wie Reiner Kornberger. Ich vermisse in jedem Fremdsprachenlehrbuch die Thematik Tod, Krankheit, Sex (und damit auch Sexualität), die uns als Mensch ganz nahe stehen.

Prof. Dr. José Maria Navarro

weitere Linkverweise zum Thema "Klein-Schonnefeld": 
Spanischlehrer fühlt sich verfolgt / BUS
Schindluder im Fall Kornberger / 
Beitrag Prof. Dr. Jürgen Timm / Rektor wehrt sich gegen Kritik
Beitrag Reiner Kornberger / "Grotesker Rufmord-Skandal"
BeitragProf. Dr. Martin Franzbach / International nur Kopfschütteln
Beitrag Prof. Dr. José Maria Navarro / Diktatur oder nicht
MagazinSITTENLEHRE'Der Verstand setzt aus'
Autor: taz / siehe Briefautoren   Datum 10.03.1998 Mail:
Verteiler: HAUPT / MÄNNER/ POLITIK / JUSTIZ / WIRTSCHAFT / LITERATUR / KUNST / TOURISMUS / PSYCHOLOGIE / PHILOSOPHIE / PHYSIK  / CHRONOLISTE
Letzte Änderung: 
© G*A*B; Überarbeitet am:  ; Adresse der Webseite: http://www.gabnet.com/mw/silehre2.htm