BUS Nr. 52  Februar 1999   Seite 18
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Spanisch-Lehrer fühlt sich verfolgt
Über die Unmöglichkeit, vertrauliche Diskreminierungsvorwürfe öffentlich zu debattieren
Man nehme einen Schuß Sex, Feministinnen, einen verfolgten Mann und fertig ist die Skandalgeschichte. Nach diesem simplen Strickmuster versuchen einige Medien, Leser zu ködern. Mit von der Partie sind Bild, Stern, RTL explosiv, und auch die taz steht nicht nach. Ort der Handlung ist die Universität Bremen.
Worum geht es? Ein Lehrer im Studiengang Romanistik war in die Kritik geraten. Studentinnen  beschwerten sich über seinen Unterricht; dieser sei sexualisiert und für sie als Frau diskreminierend. Da die Studentinnen die Unterrichtsatmosphäre als nicht offen erlebten, wandten sie sich mit ihrer Kritik an die Stelle, die eigens für diese Form von Klagen eingerichtet worden ist: an die Arbeitsstelle gegen sexuelle Diskreminierung und Gewalt am Ausbildungs- und Erwerbsarbeitsplatz (ADE). Diese Stelle urteilt allerdings nicht darüber, was sexuelle Diskreminierung ist; dies ist in derartigen Beratungen eine Frage der individuellen Wahrnehmung und Betroffenheit.

Vertraulichkeit zugesichert

Das Besondere an der Arbeitsweise der ADE ist, daß sie zusichert, Beschwerden über sexuelle Diskriminierungen vertraulich zu behandeln. Oft trauen sich Betroffene nur durch zusicherung der Vertraulichkeit, ihr Unbehagen und ihre Kritik zu formulieren. Die universitäre Richtlinie gegen sexuelle Diskriminierung und Gewalt sieht vor, daß der Vorgesetzte auf Wunsch der Betroffenen ein Gespräch mit dem Kritisiertzen führt. Dabei geht es darum, über die Beschwerde zu informieren, den Kritisierten dazu zu hören und die Angelegenheit zu problematisieren. Auch diese Gespräche unterliegen für alle Beteiligten der Vertraulichkeit. Rechtliche Konsequenzen leiten sich daraus nicht ab.

So geschah es auch mit dem Spanisch-Lehrer im Fachbereich 10. Doch die Angelegenheit blieb nicht vertraulich und nicht uni-intern. Sie gelangte an die Presse, die die Kritik an dem Dozenten, der als Lehrer an die 
Universität abgeordnet war, als unberechtigt darstellte ("Sexistische Hatz an der Universität". taz vom 3.11.98) darstellte. Der ADE wurde ein Vorgehen mit dem Vorschlaghammer vorgehalten, der betroffene Spanisch-Lehrer sah 

"einen Frontalangriff auf die Freiheit der Lehre und eine ständige Bedrohung der Integrität Lehrender". Der Vorwurf der Rufschädigung wurde erhoben, die ADE als Verschleierungsstelle bezeichnet.

Vertraulich und öffentlich

Doch das Dilemma liegt auf der Hand: Einen vertraulichen Vorgang kann die ADE nicht öffentlich behandeln. Das widerspricht dem Arbeitsansatz und zerstört jegliches Vertrauen in die Einrichtung. Kommt ein Fall, der auf vertraulicher Ebene behandelt wird, an die Öffentlichkeit, - wie hier der Fall des Spanisch-Lehrers - ist es der ADE nicht möglich, adäquat zu reagieren. Aus diesem Umstand läßt sich sehr schnell der Vorwurf konstruieren, daß eine konkrete Aufklärung seitens der ADE gar nicht gewünscht wird, sondern daß "wild gewordene Feministinnen" dubiose Vorwürfe erheben.

Wichtig: Es ist Aufgabe der ADE zu beraten, es gehört nicht zu ihren Aufgaben, rechtlich aktiv zu werden oder Klagen anzustrengen. Dazu sind arbeits- und dienstrechtlich die Vorgesetzten verpflichtet. Im vorliegenden Fall war allerdings die Ebene des vertraulichen Klärungsgesprächs nicht verlassen worden.

Dozentur lief planmäßig aus

Kompliziert wird der Vorgang noch dadurch, daß eine Verlängerung der Abordnung des Spanisch-Lehrers an die Universität abgelehnt worden ist. Diese Ablehnung steht allerdings in keinem Zusammenhang mit den Sexismus-Vorwürfen. Die Abordnung lief Ende Juli 1998 planmäßig aus. Eine weitere Verlängerung der Abordnung für den Bereich "Fachdidaktik Spanisch" kam nicht in Frage, weil diese Dozentur ausgeschrieben wird. Die Zeit bis zur Besetzung der Stelle wird mit geringem finanziellen Aufwand durch Lehraufträge überbrückt.

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taz bremen 1.März.1999 
"Schindluder" im Fall Kornberger
Uni-Richtlinien "nicht rechtsstaatlich" / Interview mit Dozentin
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Dieses Zitat aus der TAZ wurde aufgrund einer Urheberechts-Reklamation von Frau Schneider am 30.08.2000 an dieser Stelle entfernt.
 
Es ist angeblich weiterhin auf den Seiten der TAZ zu finden.
gez.Gerhard Hanenkamp

Fragen: Kerstin Schneider

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weitere Linkverweise zum Thema "Klein-Schonnefeld": 
Spanischlehrer fühlt sich verfolgt / BUS
Schindluder im Fall Kornberger / 
Beitrag Prof. Dr. Jürgen Timm / Rektor wehrt sich gegen Kritik
Beitrag Reiner Kornberger / "Grotesker Rufmord-Skandal"
BeitragProf. Dr. Martin Franzbach / International nur Kopfschütteln
Beitrag Prof. Dr. José Maria Navarro / Diktatur oder nicht
- Magazin SITTENLEHRE 'Der Verstand setzt aus'
Autor: BUS /Schneider-taz   Datum 10.03.1998 Mail:
Verteiler: HAUPT / MÄNNER/ POLITIK / JUSTIZ / WIRTSCHAFT / LITERATUR / KUNST / TOURISMUS / PSYCHOLOGIE / PHILOSOPHIE / PHYSIK  / CHRONOLISTE
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