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ZITAT<Öffentliche Väter - öffentliche Kinder
Esther Vilar in "Das polygame Geschlecht"

Journalisten als öffentliche Väter

Die westliche Welt ist ein Matriarchat, in dem Männer die Patriarchen spielen - ohne dieses Spiel wäre das Matriarchat überhaupt nicht möglich. Das Spiel muß jedoch immer ein Spiel bleiben: wenn daraus eines Tages Ernst würde, wäre dies das Ende der weiblichen Vormachtstellung. Damit das auf keinen Fall passiert, bedienen sich die Frauen der Massenmedien und richten einen Teil der dort tätigen Journalisten dazu ab, mit illegitimen Mitteln weibliche Imagepflege zu betreiben. Sie sollen den anderen Männern sagen, daß Frauen schwach und schutzbedürftig sind und daß wahre Liebe zu einer Frau die Qualitäten von Nächstenliebe haben muß. 

Ein wirklicher Patriarch wäre ein Mann, der

  • a) andere versorgt und
  • b) dies zum Vorwand nimmt, ihnen vorzuschreiben, wie sie leben müssen.
Nur die Eigenschaft a) des Patriarchen ist für Frauen wünschenswert, b) können sie nicht brauchen. Nun würde aber a) ohne b) nicht funktionieren: wer Geld verdient, will auch bestimmen, wie es ausgegeben wird, sonst macht ihm das Verdienen keine Freude. Damit die nützliche Eigenschaft a) erhalten bleibt, muß der Mann deshalb glauben, er habe auch die Eigenschaft b)

Mit anderen Worten: Damit die wirtschaftliche Verwertung seiner Arbeitskraft reibungslos vonstatten geht, muß der Mann davon überzeugt sein, daß er seine Frau unterdrückt. Man muß ihm suggerieren, daß er sie im Austausch gegen das Geld, das er für sie verdient, zu niedrigen Sklavendiensten zwingt und sie sexuell ausbeutet. 

Auf privater Basis ist dieses Täuschungsmanöver schwer durchführbar: Jeder Ehemann weiß, daß seine Frau in ihrem automatisierten Haushalt alles andere ist als eine Sklavin. In der Durchschnittsehe trifft die Frau praktisch alle finanziellen Entscheidungen: Laut Statistik werden Kaufentscheide meist von Frauen allein getroffen, lediglich bei Konsumgütern, zu deren Beurteilung technische Kenntnisse erforderlich sind - Autos, Haushaltsmaschinen - entscheidet sie mit ihrem Mann gemeinsam. Die Frau trifft praktisch alle Entscheidungen im sozial-Bereich: Sie bestimmt durch gezielten Gebrauch der Antikonzeptiva die Zahl der Kinder, durch ihre Anwesenheit zu Hause über deren Erziehung, sie trifft meist die Auswahl der Frauen und Verwandten, mit denen man verkehrt. Von sexueller Ausbeutung kann keine Rede sein: Die durchschnittliche Koitusfrequenz nach zehnjähriger Ehe liegt zum Beispiel in den USA laut Kinsey bei zweimal wöchentlich. Selbst für eine frigide Frau und bei einer anderen könnte es sich ja nicht um Ausbeutung handeln - ist das keine sonderlich große Strapaze. 

Die Täuschung des Mannes über seine Rolle ist daher viel leichter durch Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu bewerkstelligen. Jeder Mann weiß zwar, daß er selbst keinen Menschen ausbeutet und daß er persönlich niemanden sexuell 
mißbraucht - aber vielleicht tun es die anderen Männer? Wenn Zeitung, Rundfunk und Fernsehen es jeden Tag wiederholen wird er es schließlich glauben. Wenn die gebildeten Männer den einfacheren immer wieder klarmachen, daß auch ein normaler  Sexualverkehr bereits als eine Vergewaltigung der Partnerin interpretiert werden müsse, daß die monotone Kurzarbeit in einem vollautomatisierten Haushalt, die ganztägige Gesellschaft von Kindern und Freundinnen, das ewige Warten auf die 
Rückkehr des Ehemannes die subtilste Art menschlicher Versklavung sei, die es je gab, so wird auch er sich irgendwann zu jenen brutalen Typen rechnen, die ihre Frauen daran hindern, "sich selbst zu reaIisieren" Seine Jagd um das tägliche Brot 
seiner Adoptierten bekommt dadurch wieder einen Sinn. 

Öffentliche Väter sind Männer, die ihre Geschlechtsgenossen mit falschen Daten über Frauen versorgen und dadurch den weiblichen Schutzobjektstatus aufrechterhalten. Es sind die Journalisten von Tageszeitungen und Zeitschriften, die sich mit 
»Frauenfragen« befassen, die Rundfunk - und Fernsehredakteure, die Feuilletons über die »unterdrückte« Frau anfertigen »Emanzipations» -Filmemacher jeglicher Couleur, schriftstellernde Kraftprotze, die romanhaft oder autobiographisch 
dokumentieren, wie sie ihre unschuldigen Gespielinnen sexuell »mißbrauchen», etc. 

Alle diese öffentlichen Väter haben eines gemeinsam: Sie handeln nicht aus niederen Beweggründen. Die einen werden zur Unwahrheit gezwungen die anderen möchten selbst gern glauben, was sie sagen, dritte wieder glauben es tatsächlich. wir 
unterscheiden daher zwischen: 

  • a) unfreiwilligen öffentlichen Vätern,
  • b) freiwilligen öffentlichen Vätern
  • c) öffentlichen Vätern aus Unvermögen.


Unfreiwillige öffentliche Väter

Hier handelt es sich um Journalisten, die von ihren Verlegern oder Produzenten zu falschen Behauptungen genötigt werden Ein Journalist, der seinen Job nicht riskieren darf - ein Journalist mit Familie also -, muß schreiben, was sein Verleger von ihm erwartet Das sieht so aus, als sei Pressefreiheit nur eine Pressefreiheit für Verleger - doch im Grunde ist sie nicht einmal das. Ein Verleger, der sein Produkt verkaufen will muß sich nach den Gesetzen der Marktwirtschaft richten das heißt, er wird nur das schreiben lassen, was man lesen will.  Die Freiheit der Presse ist also letzten Endes die Freiheit des Verbrauchers, in seiner Zeitung seine eigene Meinung zu lesen. Aus den bereits erwähnten Gründen wollen sowohl Frauen als auch Männer lesen, daß Frauen unterdrückt werden - ein Journalist wird daher kaum Gelegenheit haben, etwas Gegenteiliges zu publizieren. In einer kapitalistischen Gesellschaft manipulieren nicht die Massenmedien die Menschen, sondern die Menschen 
die Massenmedien. 

Doch selbst wenn Männer die Wahrheit über ihre Rolle lesen wollten, gäben immer noch die Frauen den Ausschlag.  Denn beide sind zwar Leser, doch die Frau ist darüber hinaus noch der Großkonsument. Wie bereits erwähnt, werden Kaufentscheidungen, von der Wohnungseinrichtung bis zu Artikeln des täglichen Konsums, hauptsächlich von Frauen getroffen, und deshalb richten sich die meisten Werbekampagnen direkt oder indirekt an sie. Da die westlichen Presseerzeugnisse zum größten Teil über Anzeigen finanziert werden, würden mit dem Tag, an dem Frauen eine bestimmte Zeitung oder ein bestimmtes Magazin nicht mehr kaufen, weil ihnen der redaktionelle Teil nicht gefällt, automatisch die Anzeigenaufträge ausbleiben. Männer hätten also selbst wenn sie wollten niemals die geringste Chance, in einem an beide Geschlechter gerichteten Presseprodukt, und das 
sind die meisten - ihre eigene Meinung über Frauen zu veröffentlichen. 

Das gleiche gilt für Fernsehsendungen, die durch Werbung finanziert werden. In den meisten westlichen Staaten ist Fernsehen Werbefernsehen. Das bedeutet, daß auch hier nur das gezeigt werden darf, was anstandslos die weibliche Zensur passiert. Es 
hande]t sich natürlich nicht um Vorzensur, sondern um Nachzensur. Sie funktioniert nach folgendem Prinzip: wenn das Produkt keine Gnade findet, ist sein Produzent erledigt. Er sucht das durch Selbstzensur zu vermeiden. 

Wohl kann man dazwischen einmal eine Kleinigkeit riskieren und Frauen ganz vorsichtig etwas wahrheitsgetreuer porträtieren als gewöhnlich. Das kann sogar förderlich sein und das Interesse an einer bestimmten Zeitung vorübergehend aktivieren - aber siegen muß letzten Endes immer die Frau. Für jeden Artikel der Frauen kritisiert, muß man hundert andere veröffentlichen, die sie verherrlichen. 

Daß Männer nichts über ihre wirkliche Rolle wissen wollen, sieht man an den hauptsächlich an männliche Leser gerichteten Presseerzeugnissen - Eine moderne Frauenzeitschrift, etwa Cosmopolitan, könnte es eventuell noch wagen, sich über die 
Vatergesellschaft zu belustigen, denn sie wird ausschließlich von Frauen gelesen, die im Grunde wohl wissen, was sie aus den Männern gemacht haben. Männermagazine sind Produkte von Vätern für Väter: Times, Newsweek, L'Express, Der Spiegel 
müssen den Mann als brutalen Unterdrücker des weiblichen Geschlechts porträtieren. Was für einen Sinn hätte der Kampf ihrer Abonnenten noch, wenn diejenigen, für die sie kämpfen nicht schutzbedürftig sind und wenn man ihnen sagen würde, daß in 
Wirklichkeit sie selbst die am meisten Versklavten sind? Herausgeber von Männermagazinen und Frauen ziehen am gleichen Strang: Selbst wenn sie wüßten. wer wen unterdrückt, würden sie sich hüten, in ihrem Blatt die Wahrheit schreiben zu 
lassen. 

Freiwillige öffentliche Väter

Sobald die Intelligenz eines Menschen ein bestimmtes Maß überschreitet, kann sie ihm gefährlich werden. Der durchschnittlich intelligente sieht, wie bereits erwähnt, immer nur einen Aspekt eines Sachverhalts, er kann sich deshalb in einer bestimmten Situation leicht entscheiden und sein Leben auf relativ einfache Weise meistern«. Doch ein Sachverhalt hat nicht nur eine Seite, sondern mehrere. Der  überdurchschnittlich Intelligente sieht sie alle auf einmal: Zu der Meinung, die er hat, kommt immer noch die andere, die er ebenfa]ls haben könnte. Was ist nun richtig, was ist falsch? wenn er sich so und so verhält, wird dann das eine eintreffen oder das andere, das ebenfalls eintreffen könnte? Übergroße Intelligenz führt zu Entscheidungsschwäche und Lebensangst. Der Intellektuelle wünscht sich vor allem eines: Jemand, der ihm sagt, wie er sich verhalten soll. Er ist immer auf der Suche nach Schutz und kann ihn doch nirgends finden. Wen sollte er als seinen Beschützer akzeptieren? Ein Dümmerer kann es nicht sein, und einem intelligenteren wird er auf Anhieb kaum begegnen. 

So wie eine Frau oft ihrer "Unweiblichkeit" - Mangel an spezifisch weiblichen Geschlechtsmerkmalen - die Entwicklung einer normalen intellektuellen Kapazität verdankt, ist beim Mann oft seine Unmännlichkeit - Mangel an spezifisch männlichen 
Geschlechtsmerkmalen - schuld an seiner übergroßen Intelligenz. Es ist auffällig, daß ein großer Prozentsatz der sogenannten intellektuellen Männer körperlich wenig robust wirkt. Die Unfähigkeit, einen Klassenkameraden zu verprügeln, hat wohl mehr große Denker hervorgebracht als das Interesse an den Geheimnissen des Universums: Man zieht sich automatisch auf ein Gebiet zurück, wo man die Selbstbestätigung findet, die einem anderswo verweigert wird. Da zum Beispiel jugendliche Brillenträger häufig auch große Leser sind, glauben viele Leute, das Lesen verderbe die Augen. In Wirklichkeit lesen solche Menschen, weil sie schwache Augen haben: Sie legen sich aufgrund ihrer besonderen Konstitution eine andere Wertskala zu. 

Es gibt für intellektuelle Männer zwei Möglichkeiten: Entweder sie geben ihre Lebensangst zu, oder sie verbergen sie hinter einer Maske von Draufgängertum. Nur wenige wählen den ersten Weg. Eine Frau darf Angst zeigen, sie soll es sogar, ein Mann darf es nicht. Da ein ängstlicher Mann kein Schutzobjekt sucht, sondern jemand, der ihn beschützt - eine Mutter -, wird er sich noch schwerer tun als andere. Eine Mutter müßte ihm geistig überlegen und physisch polar zu ihm sein. er wird kaum 
eine Frau finden, die beide Bedingungen erfüllt. Die Mutterattrappe kommt immer erst mit dem beruflichen Erfolg. Wenn ein Intellektueller als Schriftsteller, Maler, Regisseur, Komponist bekannt geworden ist, weil er seine Lebensangst den anderen 
Intellektuellen so einleuchtend beschrieben hat, daß sie sich mit ihm identifizieren konnten, findet er nachträglich auch noch die Frau, die ihn beschützt. Jetzt darf er seine Angst offen zeigen, jetzt macht sie ihn sogar interessant. In seinem CEuvre sind Frauen immer die Starken und Mächtigen, denen Männer bedingungslos aus geliefert sind. Männliche Künstler sind in ihrem Verhältnis zu Frauen entweder Anbeter oder Angeber, sie sind Ingmar Bergman oder Norman Mailer - auf gleicher Ebene findet man sie so gut wie nie. 

Freilich scheinen die meisten Intellektuellen das Norman - Mailer-Image dem des ewigen Anbeters vorzuziehen. Aus Furcht, man könnte ihre Angst entdecken, imitieren sie die Männer, die sie im Grunde sein möchten. Da die wenigsten von ihnen gute 
Schauspieler sind, schießen sie dabei natürlich oft weit über das Ziel hinaus. Vor allem, wenn es sich. um größere Gruppen Intellektueller handelt, steigert sich die Übertreibung zuweilen ins Groteske.

Wer heute unvorbereitet eine Zeitungsredaktion, ein Fernsehstudio oder eine Werbeagentur betritt - Orte also, wo besonders viele Übersensible auf einem Fleck sitzen -, muß sich vorkommen, als sei er auf einen Frachter geraten. Die Männer, die ihm in den vollklimatisierten, teppichbelegten Büroräumen begegnen, sehen aus, als müßten sie von einem Augenblick zum anderen damit rechnen, zum Kohlenschaufeln, Lastenschleppen oder Ankerwerfen abberufen zu werden. Mit ihren abgewetzten 
Lederjacken, ihren derben Kordhosen, ihren Bärten und Bärtchen, Pfeifen und Pfeifchen sehen sie aus wie Seeleute, LKW-Fahrer oder Bauarbeiter, aber niemals wie Männer, deren einzige körperliche Anstrengung darin besteht, einen Bleistift
zwischen den Fingern zu halten. 

Es sind Überkompensierer - Männer, die Männer nachahmen und dabei zu weit gehen. Alles, was die anderen tun, tun sie auch, doch da kein echtes Bedürfnis dahintersteckt, haben sie kein Gefühl für die Proportionen. Nur weil sie glauben, daß es männlich sei, quälen sie sich mit Whisky und harten Schnäpsen, ruinieren sie ihre Gesundheit mit selbstgedrehten Zigaretten, verbringen sie ihre Samstage auf Fußballplatztribünen pfeifen sie hinter Blondinen her, zwängen sie sich auf 
unbequeme Sportwagensitze oder hochtourige BMW - Motorräder. Sie die sonst gegen jede Art von Blutvergießen sind, wehren sich fanatisch gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen im Straßenverkehr. Sie, die den Tod fürchten wie sonst niemand - sie haben als einzige die Phantasie, ihn sich vorzustellen -, sichern sich mit Kettenrauchen ein frühzeitiges Ende durch Lungenkrebs. Sie, die Frauen meist schüchtern begegnen und sich sonst sehr gewählt ausdrücken - sie sind "verunsichert", "frustriert", »progressiv« und wissen auch, was das bedeutet -, sprechen von ihnen unter sich im vulgärsten Arbeiterjargon (Frauen sind »Puppen«, »Weiber«, die man «aufs Kreuz legen» und »ficken» muß). Und während ihr Vorbild, der Arbeiter, sonntags in seinen Sonntagsanzug schlüpft, verbringen sie auch das Wochenende in dessen Arbeitskluft. Ihre intellektuellen Veranstaltungen - Konzerte, Theater, Kunstausstellungen - besuchen sie vornehmlich im künstlich verwaschenen Jeansensemble: Das Image des wilden Mannes muß immer verteidigt werden. 

Nur auf Gebieten, wo sie ihre Vorbilder nicht erreichen, berufen sie sich auf ihre höhere Intelligenz und erklären ihre Schwächen zu Stärken. Ein Intellektueller kann im allgemeinen »keinen Nagel in die »Wand schlagen», er »versteht nichts von 
Geldangelegenheiten», hat »nicht die geringste Ahnung, wie ein Auto funktioniert», und wenn eine elektrische Sicherung auszuwechseln ist, ruft er nach dem Hausmeister. 

Solche Dinge zu können wäre ein Zeichen von geistiger Primitivität - er ist zwar ein richtiger Kerl, aber primitiv ist er deshalb nicht. So wie eine Frau nichts können muß, weil sie weiblich ist, muß der Intellektuelle nichts können, weil er bereits etwas anderes kann. 

Daß Überkompensierer aufgrund ihrer Fähigkeit, abstrakt zu denken, ausgerechnet dort arbeiten, wo sie von Frauen am meisten gebraucht werden - im Zeitungs- und Verlagswesen, bei Funk und Fernsehen, in psychologischen Instituten, in der 
Meinungsforschung und Werbung -, und daß sie sich so gern mit »Frauenfragen« befassen, ist natürlich für deren Zweck von unschätzbarem Wert. Denn im Gegensatz zu Anbetern sagen sie Frauen nicht »ihr seid die Größten». Selbstverständlich müssen sie auch hier überkompensieren - hier vor allem, und deshalb beschäftigen sie sich ja so gern mit .Frauenfragen». Sie sagen:.. ,,Wir sind die Größten - merkt ihr denn nicht, ihr Ärmsten, wie sehr wir euch ausbeuten und mißhrauchen?» Das kann nicht anders sein: Um nicht zu zeigen, wie sehr er selbst Schutz braucht, muß der Überkompensierer eine als schutzbedürftig porträtieren, von denen er sich Schutz erhofft. Der Durchschnittsmann wirkt ohnehin stark, der Intellektuelle muß sich erst einen Schwächeren erfinden, damit er stark erscheinen kann. 

Intellektuelle Männer sind daher die besten Verbündeten, die Frauen sich zur Verteidigung ihres Schutzobjektstatus wünschen können. Hier decken sich männliche und weibliche Interessen wie sonst nirgends: Die Frau braucht das Image des Schwachen, der Intellektuelle das des Starken. Ein Journalist, der jeden Tag in seiner Zeitung schreibt, wie grausam Männer Frauen unterdrücken - ohne es selbst zu tun , kommt der weiblichen Vorstellung von gutem Journalismus so nah wie nur möglich. Ein Fernsehredakteur, der sich über die Bezeichnung Sexobjekt» entrüstet und seinen Geschlechtsgenossen im Umgang mit Frauen die Tugenden der Nächstenliebe empfiehlt -Opferbereitschaft, Selbstlosigkeit, Toleranz , macht die nach weiblichem Maßstab bestmögliche Fernsehsendung. Es ist zwar eine Ironie, daß ausgerechnet die schutzbedürftigsten Männer den Frauen mitteilen, wie schutzbedürftig Frauen seien, und daß ausgerechnet die Geschlechtsneutralsten diesen Frauen vorrechnen, wie sehr sie sie im Bett mißbrauchen. Doch da das Ganze im Interesse aller ist auch in dem der übrigen Männer -, wird keiner die Angelegenheit näher untersuchen. Frauen, die nicht protegiert werden möchten - und nur solche könnten eigentlich dagegen sein -, sind zu selten, als daß ihre Meinung ins Gewicht fallen könnte. 

Öffentliche Väter aus Unvermögen

Es gibt Männer, die nicht nur sagen, daß Frauen von ihnen unterdrückt werden, sondern es auch tatsächlich glauben. Es sind die öffentlichen Väter aus intellektuellem Unvermögen - Männer, die außerstande sind, die einfachsten Tatsachen 
zusammenhängend zu interpretieren. Dieses Unvermögen muß nicht den gesamten Denkprozess betreffen, es kann sich auf einen Teilbereich beschränken 

Friedrich Engels, Karl Marx, August Bebel, Sigmund Freud waren intelligente Männer, doch in bezug auf die Analyse des Geschlechtsverhältnisses haben sie eindeutig versagt (siebe Kapitel:  Das schwächere Geschlecht ist das stärkere). Das ist 
dadurch zu erklären, daß von Frauen erzogene Männer - und wer wird nicht von einer Frau erzogen? - überhaupt nicht mehr in der Lage sind, über Frauen unvoreingenommen nachzudenken. Die heutige Psychologie geht davon aus, daß die meisten Wertbegriffe eines Menschen bereits in seinen ersten Lebensjahren von der Bezugsperson - der Mutter also geprägt werden. Die großen männlichen Frauenrechtler kamen alle aus gutsituierten Bürgerfamilien, ihre Mütter waren Schutzobjekte ersten Ranges, die natürlich ihren Sonderstatus mit den bekannten Gehirnwäschemethoden verteidigten Den wirklichen Familiensklaven, ihren Vater, bekamen sie aufgrund seiner Sklavenarbeit für Frau und Kinder nur ganz selten zu Gesicht. 

Es ist natürlich ebensogut möglich, dies wurde bereits erläutert , daß die erwähnten Revolutionäre geschickte Demagogen waren, die das Märchen von der unterdrückten Frau aus politischen Gründen erfunden haben. In Anbetracht ihrer intellektuellen Leistungen auf anderen Gebieten wäre diese Erklärung einleuchtend. Die Ausnahme wäre Sigmund Freud: 

Falls er wußte, welchen Unsinn er in bezug auf die Frauen behauptete, war er vermutlich ein »Überkompensierer«. 

Man muß ,zur Entschuldigung der historischen Frauenrechtler sagen, daß vor der Einführung des Frauenwahlrechts und ohne die neueren Erkenntnisse der Trieblehre Männer Frauen viel eher für unterdrückt halten konnten als heute. Wenn ein 
Intellektueller wie John Kenneth Galbraith12, ein Harvard-Professor des Jahres 1974, die US-Frau als »Magd des Mannes« bezeichnet und Sätze zu Papier bringt wie: »Im Zuge der Demokratisierung steht heute fast dem gesamten männlichen 
Bevölkerungsanteil eine Ehefrau als Dienerin zur Verfügung", dann gibt es dafür nur zwei plausible Erklärungen: Er will die Fakten nicht sehen, oder er kann sie nicht sehen (er stellt sich dumm oder er ist dumm). Denn er ignoriert zumindest 
folgende für die meisten westlichen Industriestaaten - und über diese schreibt er ja -geltenden Tatbestände: 
 

  • 1. Männer leisten Militärdienst, Frauen nicht.
  • 2. Männer werden in den Krieg geschickt, Frauen nicht.
  • 3. Männer werden später pensioniert als Frauen (obwohl sie aufgrund ihrer kürzeren Lebenserwartung ein Recht auf frühere Pensionierung hätten).
  • 4. Männer haben praktisch keinen Einfluß auf ihre eigene Fortpflanzung (es gibt für sie weder Pille noch Schwangerschaftsabbruch, sie müssen oder können nur die Kinder bekommen, die Frauen bekommen wollen).
  • 5. Männer ernähren Frauen. Frauen ernähren nie - oder nur vorübergehend - Männer.
  • 6. Männer arbeiten ein Leben lang, Frauen vorübergehend oder gar nicht.
  • 7. Obwohl Männer ein Leben lang arbeiten und Frauen nur vorübergehend oder gar nicht, sind sie insgesamt ärmer als Frauen (die US-Frauen besitzen bereits einundsechzig Prozent des US-Privatvermögens).
  • 8. Männer bekommen ihre Kinder «geliehen«, Frauen dürfen sie behalten (da Männer ein Leben lang arbeiten und Frauen nicht, beraubt man sie - mit der Begründung, daß sie arbeiten müssen - bei einer Trennung von der Mutter automatisch der Kinder).
Die Liste der männlichen Benachteiligungen wäre beliebig fortsetzbar.. Ein Journalist, der angesichts dieser nachprüfbaren Tatsachen dennoch behauptet, die Frau sei die Sklavin des Mannes und das auch glaubt -, hat seinen Beruf verfehlt: Er kann nicht logisch denken. 

Öffentliche Kinder

Was wäre eine Anklage ohne Kronzeugen? Wenn die öffentlichen Väter behaupten wollen, daß sie Frauen unterdrücken, brauchen sie Frauen, die diese Behauptung bestätigen - denn wo sich keiner geschädigt fühlt, kann man nicht gut von einem Verbrechen reden. Die Frauen, die diese Scheinbestätigungen ausstellen, sind die öffentlichen Kinder. .Als selbsternannte Fürsprecherinnen ihres ganzen Geschlechts versichern sie den Männern, daß Frauen sich tatsächlich versklavt, mißbraucht, 
ausgebeutet, mißverstanden und gedemütigt fühlen. Zu diesem Zweck liefern sie entweder vorsätzlich falsche Beweise, dramatisieren eine bestimmte Situation oder stellen tragische Einzelfälle als exemplarisch hin. Frauenrechtler und Frauenrechtlerinnen sind wie Kinder, die zusammen »Beerdigung« spielen: Sie schaufeln ein Grab, töten eine Eidechse, legen sie hinein und beginnen dann laut zu schluchzen. 

Nun kommt es natürlich darauf an, wo die Beerdigung stattfindet: Kinder, die ihre Eltern auf ihren Schmerz aufmerksam machen wollen, heulen dort, wo sie von ihnen gehört werden, also möglichst nah beim Haus. Frauen, die Männer von ihrem 
traurigen Schicksal überzeugen wollen, begraben ihre toten Eidechsen« dort, wo man davon am meisten Notiz nimmt: in den großen Städten vorzugsweise in New York, USA. Daß dies der ungeeignetste Ort von allen ist, weil gerade die US-Frauen das 
komfortabelste Leben führen, kann die allgemeine Ergriffenheit kaum beeinträchtigen. 

Öffentliche Kinder produzieren sich in der Nachbarschaft öffentlicher Väter; und die meisten und vor allem die einflußreichsten öffentlichen Väter gibt es in New York. In New York werden die am meisten zitierten (und kopierten) Presseerzeugnisse der Welt hergestellt: »New York Times«, »Time« und »Newsweek«. Die Meinung der öffentlichen Väter Amerikas ist deshalb verbindlich für alle anderen: Wenn US-Journalisten sagen, daß Männer Frauen versklaven, werden Europäer, 
Südamerikaner und Australier ihnen kaum widersprechen. Die Sache ist ja im Interesse aller: Die Privatväter ihres eigenen Landes wollen das gleiche lesen wie die Nordamerikaner. 

Daß die Dachorganisation der amerikanischen Frauenrechtsbewegung, N.O.W. (National Organisation for Woman), fast vierzigtausend Mitglieder zählt, sagt nichts über die Vernunft der Idee, die sie vertritt. Als der amerikanische Spaßmacher 
Alan Abel seine Landsleute dazu aufrief, die Blößen ihrer Haustiere mit Kleidungsstücken zu bedecken, weil der Anblick nackter Tiere das menschliche Schamgefühl verletze, bekam er für seine fingierte Kampagne ebenfalls eine Anhängerschaft von vierzigtausend Personen. Man muß dies in den richtigen Proportionen sehen: in einem Land mit mehr als zweihundert Millionen 
Einwohnern ist nichts zu abwegig, als daß nicht I.eute kämen, die es zu ihrem Anliegen machten. Daß der Mythos von der unterprivilegierten Frau ausgerechnet dort am meisten Verteidiger finden mußte, wo es der Frau am besten geht, ist einleuchtend: Wo es der Frau am besten geht, müssen Männer und Frauen die größten Anstrengungen machen, es zu verbergen. 

Wenn N. 0. W. mehr öffentliche Beachtung findet als jede andere Gruppe vergleichbarer Größe - wer hat schon in Europa von Alan Abels Prüderie-Test erfahren? -. so liegt dies am Bedürfnis der Männer und Frauen außerhalb der Organisation, gerade diese Meinung über die Frau immer wieder zu hören. Denn was immer sich Frauenrechtlerinnen zu Propagandazwecken ausdenken, wie ungeschickt, geschmacklos oder absurd es auch sein mag, man wird es am nächsten Morgen in seiner Tageszeitung lesen. Entweder weil sie es selbst geschrieben haben - viele von ihnen sind Journalistinnen, die Berichterstattung über «Frauenfragen« haben sie in allen wichtigen amerikanischen Zeitungen fest in der Hand oder weil ein öffentlicher Vater sie gewissenhaft zitiert. Und von dort nimmt die Botschaft ihren Weg über die restliche Welt: Ob die amerikanischen Frauenrechtlerinnen für oder gegen Kissinger, Marilyn Monroe, lange Hosen, kurze Hosen, Vaginalspray Lesbianismus oder 
sexuelle Abstinenz sind, wird in europäischen Zeitungen ernsthaft wiedergegeben. Wer könnte auch so chauvinistisch sein, Nachrichten vom Freiheitskampf dieser tapferen Frauen in seinem Blatt zu unterdrücken? 

Warum machen diese Frauen das? könnte man sich fragen Was haben weibliche Journalisten und Schriftsteller davon, wenn sie ihr Geschlecht zu Wohlfahrtsempfängern abstempeln? Warum wollen sie partout die Rolle des Opfers spielen? Profitieren Frauen, abgesehen vom Materiellen, wirklich so sehr vom schlechten Gewissen der Männer? 

Journalistinnen sind keine Helden. Sie tun das Nächstliegende und schreiben - mit einigen Ausnahmen allerdings - genau das, was man lesen will. Nicht sie sind schuld am Image der Frau, sondern die, die es ihnen abkaufen. Unter den prominenteren 
Journalistinnen ist nicht eine einzige, die noch heute ernsthaft an die unterdrückte Frau glaubt - man muß es ehrenhalber voraussetzen, - doch solange diese Version verlangt wird, wird sie auch geliefert. Vor allem in den USA ist verbale 
Frauenbefreiung zu einer regelrechten Industrie geworden. Es gibt Spezialzeitschriften, beispielsweise »Ms.«, deren Geschäfte so gut laufen, daß sie von ihren Unterdrückten und Befreiten sogar Farbfotos auf Hochglanzpapier bringen können. Das Märchen von der Magd des Mannes ist für die Gebrüder Grimm zu einer echten Konkurrenz geworden. 

»Frauenfragen«- Journalismus hat gegenüber anderen Sparten dieses Berufs den Vorteil, besonders einfach zu sein. Um als weibliche Kronzeugin die weibliche Sklaverei anzuprangern, braucht man weder Mut (da niemand dagegen ist hat man auch keine Feinde), Stil (wie man schreibt, ist gleichgültig Hauptsache man beschreibt sein Geschlecht als unterdrückt), Fachkenntnisse (als Berufslegitimation genügt notfalls eine Vagina) noch Ideen (die liefern immer Männer). 

Die Idee von der Unterdrückten war, wie mehrfach gesagt, eine Männeridee. Sie stammt nicht von Beauvoir Friedan, Millet und Greer - wie sollten Frauen auch auf die Idee kommen, sie seien unterdrückt? -, sondern von Marx, Engels, Bebel und Freud. 
Die intellektuellen Frauen liefern lediglich die für die Trauerzeremonien notwendigen »toten Eidechsen. Sie bedienen sich dabei folgender Methoden: 

  • a) Tatsachenbericht,
  • b) Insider-Bericht,
  • c) halbierte Statistik.
Beim Tatsachenbericht erzählt eine Frau ihr häufig wirklich tragisches Einzelschicksal. Dieses wird dann von den anderen 
als exemplarisch bezeichnet. 

Beim Insider-Bericht schildern Frauen den Männern, wie man »als Frau« eine bestimmte Situation empfindet, Germaine Greer etwa erklärt dem >Playboy>-Leser, daß »für eine Frau« jeder Geschlechtsakt einer Vergewaltigung gleichkomme. Gloria Steinem sagt dem Leser von >Der Spiegel> daß es so wenig Ärztinnen gibt, weil man sich, als Frau einen weiblichen Arzt gar nicht so richtig vorstellen könne. Ellen Frankfort13 erläutert den Mangel an weiblichen Chirurginnen: "Als Frau" meide man diesen Beruf, weil Männer einem sagen, man bekäme durch das lange Stehen Krampfadern und werde dadurch für das andere Geschlecht unattraktiv. Um ganz allgemein zu zeigen, wie man sich als Frau« im täglichen Leben fühlt, vergleicht man sich mit rassischen Minderheiten: Die US-Frauen sagen, sie fühlten sich genauso behandelt wie die Neger in ihrem Land, die Frauen der übrigen westlichen Länder sagen, sie fühlten sich behandelt wie US - Neger ("Wir sind die Neger der Nation") 

Während beim Tatsachen- und Insider- Bericht dramatisiert wird, gibt man sich bei der Methode der halbierten Statistik wissenschaftlich kühl. Sie besteht darin, den ersten Teil einer Untersuchung oder Enquete zu zitieren und den zweiten wie 
zufällig zu vergessen: 

Man beschwert sich über den geringen Prozentsatz weiblicher Politiker, verschweigt jedoch, daß Frauen mit ihrer absoluten Stimmenmehrheit von einundfünfzig bis zweiundfünfzig Prozent jeden weiblichen Politiker nominieren und wählen könnten, den sie nominieren und wählen wollen. 

Man feiert den hohen Prozentsatz berufstätiger« Frauen, verschweigt jedoch, daß es sich bei den genannten Zahlen nur zur Hälfte um Ganztagsarbeit handelt daß die wenigsten Frauen »Lebenslängliche» sind (es sind immer wieder andere, die in der 
Statistik erscheinen) und daß weibliche Berufstätigkeit mit männlicher statistisch überhaupt noch nicht vergleichbar ist, weil Frauen niemals Mann und Kinder ernähren. 

Man verurteilt die Doppelbelastung berufstätiger Mütter, verschweigt jedoch, daß laut Statistik der  berufstätige Vater die gleiche Zeit mit Nebenarbeiten zubringt wie seine berufstätige Frau - er erledigt Behördengänge, Steuererklärungen 
Reparaturen im Haus, Autowartung, Gartenarbeit, Kinderbeaufsichtigung. 

Man klagt die »Männergesellschaft« wegen der manchmal noch niedrigeren Löhne für Frauen an, verschweigt jedoch, daß Tarifverträge zwischen Gewerkschaften und Unternehmern ausgehandelt werden und daß nur ein Bruchteil der berufstätigen 
Frauen Gewerkschaften angehören, geschweige sich dort engagieren. 

Man beweist, daß Frauen - als Putzfrauen Toilettenfrauen - die unangenehmeren Arbeiten erledigen, verschweigt jedoch, daß alle wirklich unangenehmen Arbeiten von Männern erledigt werden - sie sind Bergarbeiter. Müllkutscher, Straßenkehrer, 
Kloakenreiniger, Totengräber, Leichenbeschauer, Metzger, Gerichtsmediziner, Fachärzte für Proktologie Haut und Geschlechtskrankheiten, pathologische Anatomie 

Man wirft Männern vor, ihre Gesetzgebung verhindere den Schwangerschaftsabbruch, (»mein Bauch gehört mir!«), verschweigt jedoch, daß laut Statistik mehr Männer als Frauen für die Legalisierung des  Schwangerschaftsabbruchs sind und daß dieses von den konservativen Parteien verhindert wird, deren Wähler in der Mehrzahl immer Frauen sind. 

Man klagt Männer an, die Pille für die Frau statt für sich selbst erfunden zu haben, verschweigt jedoch. daß die internationale pharmazeutische Industrie in die Männerpille bisher erfolglos Summen investiert hat, die jene, die zur Erfindung der Frauenpille notwendig waren, um das Tausendfache übertreffen und daß die Frauenpille den Mann außerdem in einseitige Abhängigkeit von Frauen bringt 

Man wertet die Tatsache, daß mehr Frauen als Männer sich einer Psychoanalyse unterziehen, als einen Beweis für weibliche Verzweiflung, verschweigt jedoch, daß mehr Männer als Frauen Selbstmord begehen und daß sie in den meisten Fällen die 
teueren Beichtstunden finanzieren. 

Die öffentlichen Kinder- wollen den »Vater« nicht abschaffen, im Gegenteil: indem sie den Mann für alles Unangenehme in ihrem Leben verantwortlich machen, machen sie ihn erst richtig zum Vater. Sie fordern nicht Selbstverantwortung, sondern 
antiautoritäre Erziehung: man ist die ewigen Puppenstuben leid und möchte endlich auch einmal mit «Messer, Gabel, Scher' und Licht« spielen, genau wie die kleinen Jungen. 

Ihr eigenes Geschlecht machen die öffentlichen Kinder zu Kretins. Denn es ist ein Unterschied, ob man von jemand sagt. er wolle nicht anders, oder ob man von ihm sagt, er könne nicht anders. 

Wenn Frauen nicht anders wollen, stellt man sie auf eine Stufe mit den Reichen. Ihre Dummheit ist eine Folge von Luxus, ihr Lebensstil eine Wahl ihr Verzicht auf Ämter und Würden ein Beweis ihrer Souveränität. Um ihr Schicksal zu ändern. müßten sie 
nur den Wunsch dazu haben, alles hängt von ihnen selbst ab. 

Wenn Frauen nicht anders können, stempelt man sie zu geborenen Idioten. Wenn sie nach Jahrzehnten Frauenwahlrecht, Stimmenmehrheit, materiellem Wohlstand, freier Studien- und Berufswahl trotz intensivster Bemühungen nicht weiterkommen, 
ist die einzige Erklärung angeborene psychische Inferiorität. Solche Menschen können ihr Schicksal nicht selbst ändern, sie sind auf das Mitleid und Verständnis ihrer Umwelt angewiesen, sie brauchen die Nächstenliebe der Männer. 

Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß Frauenrechtlerinnen wissen, was sie den Frauen anzutun versuchen. Sie sind Kinder, wenn auch öffentliche. Kinder - auch öffentliche - zieht man nicht zur Verantwortung. >ZITAT-Ende

12J. K Galbraith; Wirtschaft für Staat und Gesellschaft, München 1974. 
13Ellen Frankfort: Vaginal Politics. New York 1972.

Autor: Esther Vilar   Datum 16.02.1999 Mail: brain@gabnet.com
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