Die totale Marktwirtschaft: Das Credo
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- Die wesentlichen Merkmale des Kapitalismus
als politökonomisches System sind die Sicherheit des Privateigentums
und die freie Marktwirtschaft.
Die Freien und die Feinde der Freiheit
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- Im Feudalismus hatte die Aristokratie kraft
ihrer Geburt ein Anrecht auf die Dienste der arbeitsfähigen Armen.
Heute haben sich die Rollen beinahe umgekehrt: Die Bedürftigen und
die Geisteskranken haben dank ihrer materiellen und mentalen Defizite ein
Anrecht auf einen Prozentsatz des Einkommens der produktiv Tätigen.
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- Minogue hebt zu Recht hervor, daß
die unproduktiven Mitglieder der Gesellschaft aufgrund ihrer Abhängigkeit
und Verführbarkeit eine Gefahr für die Freiheit darstellen. Und
das ist noch nicht alles. Sie gefährden die Freiheit auch, weil die
produktiven Mitglieder der Gesellschaft sowohl für sie als auch für
ihre Pfleger und Wärter sorgen müssen.
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- In Gesellschaften, die sich als „frei" bezeichnen,
ist es nicht opportun, sich offen gegen die Freiheit auszusprechen. Dennoch
wird Freizügigkeit nicht von jedermann geliebt. Viele Menschen schätzen
Gesundheit und Sicherheit höher ein. Doch die Feinde der Freiheit
brauchen diese gar nicht direkt anzugreifen. Statt dessen können sie
ihre Abneigung gegen sie als Schutz der Gesundheit, speziell der psychischen
Gesundheit, tarnen.
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- Mit dem Wort produktiv bezeichne ich einen
Menschen, der seinen eigenen Unterhalt verdient, indem er arbeitet oder
sein Kapital riskiert (investiert); als unproduktiv bezeichne ich eine
Person, die keines von beidem tut und daher ökonomisch abhängig
von anderen (Familie oder Gesellschaft) ist; und mit dem Wort abhängig
bezeichne ich jemand, der nicht fähig oder bereit ist, physisch oder
sozial für sich selbst zu sorgen.
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- Kurz, es gibt drei Möglichkeiten, wie
jemand seinen Lebensunterhalt sichern kann: 1. als Abhängiger (...);
2. als Produktiver (...); 3. als Räuber, der anderen mit Gewalt oder
der Androhung von Gewalt die Güter und Dienstleistungen raubt, die
er benötigt und wünscht. Ein Individuum, das nicht produktiv
werden kann oder will, muß ein Abhängiger oder ein Räuber
werden oder zugrunde gehen.
Die Parasiten und Verbrecher
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- Jemand kann obdachlos sein, weil er zu arm
ist (...), weil ihm die psychologische und soziale Kompetenz fehlt (...),
weil er einen verantwortlichen, geregelten Lebensstil (...) ablehnt, oder
weil er weiß, daß er, wenn es ihm gelingt, sich als obdachlos
zu definieren, Wohnraum auf Kosten des Steuerzahlers erhält.
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- Die simple Wahrheit ist, daß manche
Menschen es vorziehen, ihr Geld nicht für eine Behausung aufzuwenden
(sondern vielleicht lieber für den Kauf von Drogen), daß sie
es ablehnen, bei Familienmitgliedern zu wohnen, die bereit wären sie
aufzunehmen, und ein Leben in psychischer Krankheit, Verbrechen und Landstreicherei
bevorzugen.
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- Das SSI-Programm [vergleichbar unserer Sozialhilfe]
stellte für Legionen chronischer Psychiatriepatienten geradezu eine
ökonomische Unabhängigkeitserklärung dar. Existentiell gesehen
ist das Dasein als stationärer Psychiatriepatient immer eine Art Beruf
gewesen. Fortan wurde es auch zu einem wirtschaftlich lohnenden Beruf.
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- In früheren Zeiten wurde derjenige,
(...) der nichts lernte, nicht heiratete, keine Arbeit fand und zu keiner
taugte -, von seiner Familie versorgt, oder er wurde zu einem Vagabunden,
der sein Leben am Rande der Gesellschaft fristete. Seine Verwandten werden
ihn entweder als „Taugenichts" oder als „armen Teufel" bezeichnet haben.
Jetzt nennen sie ihn psychisch krank, gewöhnlich schizophren.
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- Es war schlimm genug, daß Psychiater
Obdachlosigkeit auf psychische Krankheit zurückführten. Die Gefahr
bei dieser Taktik hielt sich jedoch in Grenzen, da Psychiater bekannt dafür
waren, daß sie badness (Schlechtigkeit) auf madness (Verrücktheit)
zurückführten
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- Einfach ausgedrückt, jemand, der Diabetes
oder Bluthochdruck hat, ist nicht notwendigerweise unproduktiv oder kriminell,
während Personen, bei denen Schizophrenie oder antisoziale Persönlichkeitsstörung
diagnostiziert wurde, typischerweise unproduktiv sind und sich häufig
in einer Weise verhalten, die als gesellschaftsfeindlich oder kriminell
bezeichnet wird.
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- „Kriminalität ist leichter als Differentialrechnung".
Schizophrenie ist gleichfalls leichter als Differentialrechnung.
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- Die Tatsache (...), daß sich sowohl
Parasitismus als auch Verbrechen „auszahlen", erklärt die erhöhte
Häufigkeit beider Verhaltensmuster in Zeiten gesellschaftlicher Umwälzungen
und unter Angehörigen der Unterklasse. Letztens, nachdem viele der
Menschen, die wir psychisch krank nennen, de facto räuberisches Verhalten
praktizieren, und nachdem viele andere ihre Abhängigkeit in nötigender
quasiräuberischer Weise einsetzen, stellt sich heraus, daß der
angeblich so rätselhafte Zusammenhang zwischen Verbrechen und psychischer
Krankheit gar kein Rätsel ist.
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- (...) die bekannten Grundtatsachen der Existenz,
nämlich, daß manche Menschen arbeiten und andere nicht und daß
das Geschäft der Psychiatrie darin besteht, Armenfursorge (getarnt
als medizinische Versorgung) an erwachsenen Abhängigen zu betreiben
(deren Faulheit und Zügellosigkeit sich als Krankheit tarnt)
Die Umverteiler, linke Nutznießer
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- Leute, die das Thema Obdachlosigkeit in
der Absicht behandeln, mit dem Geld der Steuerzahler Wohltäter zu
spielen, haben ein begründetes Interesse daran, die Zahl der obdachlosen
Personen aufzublähen und ihre Notlage auf einen Umstand zurückzuführen,
für dessen Behebung sie eine besondere Sachkenntnis in Anspruch nehmen.
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- Papst Johannes Paul II. unterstrich diese
Mischung aus antikapitalistischen Phrasen und Neiderweckung, indem er auf
die UN-Defmition von Obdachlosigkeit als „Mangel an einer angemessenen
Unterkunft" hinwies.
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- Die psychiatrisch korrekte Einstellung zur
psychosozialen Versorgung ist heute durch und durch sozialistisch.
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- Kommandoarbeit [nennt Szasz] die bürokratische
Einmischung bzw. die Dienstleistungen, die man euphemistisch „Arbeit mit
Menschen" nennt und die von der Regierung bezahlt werden. Gleichgültig,
ob man Kommandoarbeit als moralisch lobenswert ansieht oder nicht, ist
es falsch, eine bürokratische „Dienstleistung" in den gleichen Topf
zu werfen wie Arbeit, die die Bedürfnisse eines zahlenden Konsumenten
befriedigt. (...)
Ob wir mehr Autos und Getreide produzieren und verkaufen oder mehr Psychiatriepatienten
(Schizophrene) und Häftlinge (Drogentäter), das Bruttosozialprodukt
steigt so und so. Dies ist einer der Gründe, warum die heutige amerikanische
Gesellschaft gar nicht genug Heiler und Helfer hervorbringen kann, die
unter dem Vorwand, ihre Lebens- und Arbeitsfähigkeit zu erhöhen,
behinderte Menschen endgültig zu Invaliden machen.
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- Der Jakobiner, der Kommunist, der Psychoanalytiker,
der Laingia-ner und die Feministin - sie alle haben aus ihrer jeweiligen
Sicht die Familie schärfstens kritisiert und die Entwicklung persönlicher
Autonomie gehemmt, gewöhnlich unter dem Vorwand, sie zu fördern.
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- In den vergangenen Jahrzehnten hat sich
die amerikanische Gesellschaft dem Grundsatz verschrieben, Kindern weniger
und Erwachsenen mehr Grenzen zu setzen, mit dem Ergebnis, daß die
Kinder hemmungsloser und die Erwachsenen kindischer wurden. Das ist wahrscheinlich
der Hauptgrund, warum Kinder heute mehr Verbrechen und Suizide begehen
als in früheren Zeiten.
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- Die Anwaltsschwemme. (...) Anwälte
und Politiker sind überwiegend Einkommensumverteiler. Psychiatriepatienten
und Kriminelle sowie das Personal, das für ihre Verwahrung und Betreuung
zuständig ist, sind Nutznießer der Einkommensumverteilung. Es
sollte uns daher nicht überraschen, daß die Vereinigten Staaten
pro Kopf die meisten Rechtsanwälte, die meisten Kriminellen und die
meisten Psychiatriepatienten in der Welt haben.
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- Leuten zu bezahlbarem Wohnraum zu verhelfen
ist nur der vorgebliche Zweck der Mietpreisbindung. Ihr eigentlicher Zweck
ist, die Wiederwahl von Politikern zu sichern, und das bringt die Preisbindung
sehr wohl zuwege.
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- Die Hauptursachen der Obdachlosigkeit sind
in den Vereinigten Staaten heute die Mietpreisbindung, die gentrification
(der Einzug sozial Bessergestellter in heruntergekommene Wohnviertel) und
die Abschaffung des Gesetzes gegen Landstreicherei. Der Krieg gegen Drogen
ist ein weiterer dazu beitragender Faktor.
Laissez-faire, laissez-mourir?
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- Es ist Torheit, das Betätigungsfeld
des „therapeutischen Staates" bewußt auszuweiten, indem man den Personenkreis
der Anspruchsberechtigten gegenüber seinen Dienstleistungen um neue
Kategorien erweitert, wie sexuell aktive Halbwüchsige (die schwanger
werden oder Aids bekommen könnten) oder erwerbstätige Erwachsene
(die legale oder illegale Drogen konsumieren oder spielen). Diese Personen
benötigen weder die Dienstleistungen des Staates noch verdienen sie
sie in dem Sinne, in dem, sagen wir, ein verwaistes Kind oder ein bedürftiger
alter Mensch sie benötigt und verdient.
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- Wir brauchen kein medizinisches Fachchinesisch,
um zu wissen, daß ein in der Welt alleinstehender, notleidender Mensch
körperlich, geistig und seelisch kaum gesund sein dürfte. Den
Drogenkonsum eines solchen Menschen als „verhinderbar" zu bezeichnen ist
eine grausame Lüge. (...) Doch die American Medical Association erwartet
von den Letzten im Lande, daß sie ihre elende Existenz ohne Drogen
fristen.
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- Von der Fürsorge abhängige Engländer
erhielten erst 1918 zusammen mit den Frauen das Stimmrecht.Anm.: Ich referiere
diese Ereignisse, ohne den Eindruck erwecken zu wollen, daß ich es
für eine gute Sache halte, Personen ohne materiellen Anteil an ihrer
Gesellschaft das Wahlrecht zu gewähren.
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- Das Tollhaus ist jetzt überall und
macht unsere Straßen und Parks sowohl abstoßend als auch unsicher.
Abstoßend, weil wir inakzeptables Verhalten von Personen dulden,
solange diese de jure als Psychiatriepatienten klassifiziert werden; und
unsicher, weil viele dieser Individuen aggressive Handlungen begehen und
andere ihres Eigentums, ihrer Freiheit oder gar ihres Lebens berauben.
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- Der Schutz von Freiheit und Eigentum vor
all jenen, die diese Werte mißachten oder zerstören, sollte
die Aufgabe von Richtern, Strafkammern und Gefängniswärtern,
nicht von Psychiatern, Psychologen und Sozialarbeitern sein.Alle Zitate
sind aus: Thomas Szasz: Grausames Mitleid. Über die Aussonderung unerwünschter
Menschen (1997)
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